Vgl. Hans Weigel über die Wienerin: Wenn sie versucht, das Fremdwort »Liebe« im Wienerischen einzuführen, wird sie scheitern.
Befund
Befreiung der Aussicht
Gut, wir stürzten uns in die Erscheinungen, vorsatzgetreu, richteten unsere Optik auf die ungebrochenen Dinge, als saugten die einem Schneck die Stielaugen raus oder preßte ein Kind die Nase ans Wirtshausfenster. Wir sprachen mit niemand, ließen das Auftragsbuch drin und sahen im ganzen Verladeland nur einmal die Dynamit-Attentäter.
Begeisterung
Da zumindest eine Sorte guter Geister die Welt verlassen hat, mag niemand mehr begeistert sein, es sei denn, unter Persönlichkeits-Chemolyse. Ich bilde eine Ausnahme, wenn ich auch nicht weiß, woher ich meinen Bedarf an Plusgeistern decke, und trauere der Begeisterung meiner Mitmenschen nach. Mich begeistern Leute, Umgebungen, Genüsse, Erkenntnisse, Formulierungen, mein Gefühl von Hiersein, kurz, ich bin ein Vertreter der affirmativen Dichtung. Selbst als Essayist steige ich nie in die Niederungen blasierten Verrisses um des blasierten Verrisses willen, sondern ich sage, wenn mich etwas banal erfreut, banal Ja und liebkose noch das Gute am Schlechten. Mag sein, die lang eingeatmete slowakische Landluft (Kuhdreck) hat mir geschadet, in dem Sinn, daß ich die Phänomene wörtlichnehme und ein Obstblütentag oder ein warmer Regen mich affirmativstimmen. Mag sein, ich habe immer noch zuwenig Cafékaffee getrunken, bin vom Cafetabak nicht zuendegebeizt und von der Cafelethargie nicht endgültig zugekotzt worden. Selbst ein Cafe kann mich heute noch freuen, mit bunten Lichtwellen und Nickel, so bodenständig bin ich geblieben.