Sympathisch

Sympathisch (werbesprachlich): Das sympathische Rasierwasser. Flokki-Flokk macht Hunde sympathisch.

Mundfrisch sein, schafft Sympathie,
Mundgeruch erreicht das nie.

Auch an kritischen Tagen beinsympathisch. Ercremen Sie Sympathieachseln. Kobolz — der magensympathische Kräuterlikör. Keine Rauchernägel mehr: Filter X handsympathisch. Minx — der twensympathische Lippenstift. Taschenmarlitt — die sympathische Reiselektüre. Scheiterhauff & Co, die sympathische Feuerbestattung. Suche sympathische Wicklerin/Löterin; suche sympathischen Geh-Beruf; suche sympathisches Darlehen.

Hausse im Angeben. Hausse im Pfötchengeben. Wer weiß, wie man sich beliebt macht, macht sich beliebt. Nie so gut gekotzt.

Suche sympathische Gegenwart, suche sympathische Vergangenheit, suche sympathische Zukunft.

Susi- und Eiske-Epilog

Nach Ernest Bornemann (dessen andere Meinungen ich schätze) ist die ungeteilte Liebe zu einem Menschen eine merkwürdige Krankheit, die ausgerechnet Homosexuelle dem Abendland vererbt haben. Der Wunsch nach einereinem Auserwählten ist ätiologisch Fetischismus aufgrund überlebender Kindheitseindrücke, teleologisch eine Triebkraft im Dienst des Aussterbens. Günstig wäre es, Starke, Fruchtbare, Unbesondere Zur Paarung zu wählen. Stabil sind die nivellierenden Kulturen, in denen (man verzeihe das Konsumbild) Susi, Eiske und Barbara nicht Birne, Apfel und Kürbis bedeuten, sondern austauschbares, gleichschmeckendes Einkeitsobst.

Tätowieren

Ich hatte Gelegenheit, bei Bellini die Lanzettchen in Aktion zu sehen. Eine mutige, etwas extravagante Assistentin hatte sich den Interessenten — ein paar Kosmetikern beiderlei Geschlechtes, zwei, drei Chemiekaufleuten und einem Gerichtsarzt — zur Verfügung gestellt. Sie lag auf einer Pritsche, Rücken nach oben, in rotem Bikini, war ganz hübsch braun und wurde von einem Spezialisten lokalanästhesiert und entblutet. Dann traten die Messerchen in Funktion: zehn Grundfarben, aus denen Japaner angeblich bis zu sechshundert unterscheidbare Töne tätowieren können, und sechs Schnittformen: am interessantesten die drehbaren, mit denen man unter der Haut eine Art farbiges Knöpfchen aufwuchern lassen konnte, und die drittelrunden, aus deren Verletzungen man sowohl die sehr beliebten Blumengirlanden als auch Bilder kunstvoller Frisuren aufbaut. Die Messerchen steckte man in ein handliches Werkzeug mit Pistolengriff und mannigfachen Einstellmarken. Das GroBartige an ihnen war, daß sie nicht mit Farbe gespeist werden mußten, sondern selbst Farbe waren, nämlich buntes Metall, das bei zerstörender Berührung mit der Haut winzige Mengen eines unvergänglich und prächtig färbenden Reagens abgab.