Man mag sie, weil sie den Kopf ertappend nach dem Beschauer wendet; doch tut sie dies nicht abstrafend, sondern wissend um menschliche Wünsche, freundlich, sogar einladend; wenn auch nicht schon herausfordernd. Das Trikothöschen ist extrem kurz und schnürt die Schinken ein (auch am Rollschinken erhöht die Schnürung ja den Appetit). Die Breite, die dadurch betont wird (durch die Photoperspektive ein zweites und durch das lebendige Rot des Trikots ein drittes Mal, während von der Weiße des Fleisches als viertem Mittel zugunsten animierender Rotbräune Abstand genommen wurde), verheißt daß es nötig sei, sich mit dieser Prachtfrau sehr kräftig zu beschäftigen; optische Täuschung durch Zentimeter, deren jeder zusätzliche groß von »Bewältigung« daherredet, so wie man glaubt, daß eine Jause mit einem Professor das Gehirn besonders anstrengen wird.
Die Rote im roten Trikot mit rotem Popo
Diensthäuschen 3
Zunächst Diensthäuschen 1 und Diensthäuschen 2. Dann Korrektiv: »Nicht hierin enthalten die Lebensenttäuschung des männlichen Insassen, die Anfangsfreude an seiner Bestallung und seiner Frau, die frühe Resignation der Frau über Ort, Ruß und Mann, die Paradiesperspektive des Gärtchens für einen Jungurlauber, der sein Unglück in der Stadtkarstwand hängengelassen hat, die Höllenperspektive des selbstgenügsamen Häuschens für eine Jungangestellte (die noch hoch- und weitwill, am Amazonas nacktschenklig mit dem Suomi-Woods-Junior frische Piranhas grillen); der Blick vom Häuschen zum Wassernixwasser der erstaunte Blick des Wassernixes auf Quader- und Kratzland-Idyll im Drahtgehege. Wo haben Sie Ihre Hühnchen, wo Ihre Kaninchen? Woraus besteht Ihre Bibliothek? Was hat Ihre dralle Frau für Liebesträume? Wo beziehen Sie Ihr Heroin? Frau dralle Frau wird Ihr Gatte vor der Pensionierung sterben, und werden Sie da gerade die Akklimatisation eines Rhododendrons versuchen? (Sie verstehen, rot-grüne Pflanzenrhomben werden durch Ihr Gitter in den Lampenkarussell-Lärm des nahen Volksfestes schneiden; und das Türwehen bringt erratische Luft aus dem gänzlich andern und jungen Ort, aus dem Sie zur Zeit marsroter Hoffnungen kamen.)«
Dynamit-Attentäter
Dynamit-Attentäter sind typische Dynamit-Attentäter. Sie schlendern in eine Kaschemme, blinzeln sich beim Eintritt zu, kauen an einem Zünder, hüsteln anzüglich, begrüßen sich — wenn nur die Kellnerin zuhört — mit Spreng Heil!, drücken sich nur in Kilogramm TNT aus, zeigen einander ihre Sprengwunden und polizeilichen Brandnarben, teilen die Landschaft in Planquadrate, brummen unhörbar »Du nimmst dir C 5 — ich geh auf D 4«, schwärzen sich das Gesicht mit Korkruß, die weißen Zähne blitzen nur so, sie lesen in Zeitungen am liebsten die Anschlagsmeldungen, haben alle Chemie studiert, telephonieren in Nachtklosetten, sagen von einem schönen Mädchen »Das ist eine brisante Katz!«, schleichen in Steinbrüchen hinter die Sprengfahne und stopfen sich die Taschen mit plastischem Sprengstoff voll, detonieren gelegentlich, wenn sie im Rausch hinfallen, wünschen sich, die Politik möge nie aufhören, und der liebe Gott hat immer noch ein Einsehen gehabt und sie hört tatsächlich nicht auf.