Sollte wirklich alles schon dagewesen sein? Der haarkünstlerische Vorgang, den Chemiekaufmann J. als Halbwüchsiger mit viel Staunen in einer Wochenschau gesehen hatte, spielte sich nun, nach einer Generation, wieder ab. Das Modell Mathilda, töchterlich ähnlich dem damaligen Modell, bekam vom Starfriseur nach Dachgleiche des Kunstwerks eine frische Tulpe ins Haar gesteckt, und nun wurde das ganze mit einem schwarzen Lack zur Einheit gepinselt. Wie damals kam J. flüchtig die Lust, das überzüchtete, doch irgendwie anmutige Architektürchen durch eine elementare Bettkatastrophe zu zerstören. Was sonst als der entropische Trieb, höhere Ordnungen zum Chaos zurückzubauen, sollte durch solche Eintagskunstwerke wie Haarbauten oder domnachbildende Torten angesprochen werden? Unbezahlbarer Moment: quer durchs Mittelschiff sägt das Tortenmesser, der Zuckerguß splittert, die ersten Brösel fallen aufs Tablett.
Die mit der Tulpe
Die mit den Schlafaugen
Wie sehr, sagt Alphard Mutz rückerinnernd, hätten wir (ich, der kleine Zero Zobiak und der mittelgroße Encore Edibelbek) unsere Schlafpuppen, mit denen wir, ehe man uns an den Koala-Bären gewöhnte, schliefen, geliebt, wenn sie wie diese Kitty Durban die ganzen Lider, von den Wimpern bis zu den Brauenbögen hinauf, mit diesem Nachtschwarz ausgefüllt getragen hätten. Wir hätten gesagt: Wenn eine Tag und Nacht nur mit Männern liegt und die Haut ihrer Lider allmählich ganz durchscheinend wird und Schicht für Schicht die gestockte Enttäuschung blau, violett, grauschwarz sich ablagert, nie wird sie diese Summe verrotteter Verheißung anhäufen, die der Chefkosmetiker McLoy mit einem einzigen unerregten Pinselschwang vom Black-Tiegel auf die Mädchenhaut transportiert. Er kriegt gezahlt, und fünftausend Leser erkennen sich in französischen Duft und chinesische Seide gewickelt. Fünftausend Kitty Durbans seufzen kaum hörbar ihre entzückte Ergebung ins Leserbett, und ihre schwarzen Lider warten, blankgeküßt zu werden.
Diensthäuschen 1
Inventartafel unter Glas: