Man tritt ins Tor und ist plötzlich im Tor einer Weltstadt, im Licht, nach seiner Finsternis, rumort, wimmelt und schaufensterglitzert das Citygäßchen einer Weltstadt, und dreht man sich um, liegt im Licht, nach seiner Finsternis, ein zweites Citygäßchen einer Weltstadt, mit Juwelieren, Antiquitätenläden; umfärbende Brüden und erstickende Parfums quellen aus Coiffeursalons, und für die Ankunft im Airport oder im Hiltonhotel empfehlen sich massige neuhelle Schweinslederkoffer. Dämchen auf Glasstöckeln und in Puderwolken haken sich in rosa Gecken, und Orchideen am okapiledernen Herrenschuh oder im durchstochenen Herrenohr sind keine Seltenheit. Grüßt man lettisch, wird man auch verstanden. Der Autoverkehr spielt sich auf Drehscheiben ab und aus allen Magnettüren dringen Stereoschlager. Die prächtigsten Läden liegen im Dunkel des Tores, mit Phosphoreszenzbeleuchtung nutzbar gemacht, Blau-, Violett- und Orangelicht aus Plasmaröhren oder natürlichen Stromquellen der Tiefseefische. Ein wenig marktschreierisch findet man die Tausende Fahnen in den Farben Knopfs und Senfs. Tritt man aus dem Tor, genügt der Augenblick des Aufpassens (ungerädert den Gehsteig der Tageslichtstadt zu erreichen) um allen Cityspuk zu zerstreuen. Einförmig liegt das Gäßchen im weißgrellen Tageslicht, Grün und Staub und Steinhäuschen, und Felleisen auf dem Rucken wandert der Handwerksbursch von weither über Knopf nach den Feldstreifen von Senf, um in irgendeinem Abend die deftigen Betten von Druden zu erreichen.
Knopfer Tor
Knopfbach
Knopf vom Knopfbach aus: Windwurmgasse 1 hat ihre Fortsetzung in Riegelgasse 3 und Speckmessergasse 5, ums Eck der dritten Seitengasse geht die Riegelgasse weiter. Dörrfrauen hängen in den Fenstern, haben ihre löcherige Galle an der Hofleine aufgehängt. Im Wallgraben liegt ein Abgehäuteter, obwohl die Gassen sonst rein sind; die ersten Straßenkehrer nach jenem Blutbad hielten sich für inkompetent, die späteren ihn für ein Naturdenkmal. Die Stadtbibliothek trägt die Inschrift: »Jeder, der viel wußte, hatte noch Verluste.«
Kollaboration
Einer Kollaboration werden mich vielleicht Leser bezichtigen, die gewohnt sind, »außer-« und »innersprachliche« Dichtung als Feindespaar zu sehen. Wenn ich, Real- und Moralist, nun (zB in einem Artikel über Steinbrüche) Sprachspiel zu treiben scheine, sieht es wie Kleinbeigeben gegenüber den »Innersprachlichen« aus. Dies trifft nicht Zu. Da es mir, wie schon gesagt, um die Sache und nicht um die Sprache geht, sind mir auch »innersprachliche« Mittel willkommen, um einen Wirklichkeitsverhalt oder einen Verbesserungswunsch schärfer, facettenreicher oder injektiver zu kommunikabilisieren. Mit »innersprachlicher« Haltung möge man diesen Mitteleinsatz nicht verwechseln. (Man informiere sich auch, wieweit er ein Nachziehverfahren bedeutet.)