Ich manipuliere Sie, denn ich spreche zu Ihnen. Ich werde meiner Milchfrau sagen, sie soll mich beim Wursteinwägen nicht mehr manipulieren. Ich werde auch keine Schallplatte mehr anhören, kein Bild mehr ansehen, keinen Park betreten. Ich werde mich nurnoch selbst und nurnoch mich selbst manipulieren. Gehen Sie, bitte, hin und tun Sie desgleichen.
Manipulation
Malkasten 4
Myra Metelli, die Ordnung in Kleinmädchengestalt, bekam erstmals den Malkasten der Mutter geliehen. Und was durch ein paar Buntstifte nicht ausgelöst worden war, trat jetzt ein: Die bunte Welt wurde malbar, ordnete sich zu 16 Näpfchen Farbe und einer Tube deckend dickem Weiß, bei Gelb unterschied man Ocker und Cadmium, bei Blau Kobalt und Ultramarin, so schöne wie spannende Namen. Der Kasten war aus blechglänzendem Blech, die Schienen für die Näpfchen und die Näpfchen auch. Ihr niegeschleckter Geschmack blieb Myra Metelli für immer im Augmund vergegenwärtigbar. Dem Pinsel dankte sie für die Weichheit und Wälzbarkeit in Farbe, dem Wasser für sein Lösen, der Farbfläche der Näpfchen, die sich nach jeder Nutzung wieder halbfeucht glättete wie ein trocknender Lehmtümpel, für Farbwildheit und Körper. Sie schnitt mit dem Pinsel ins Farbfleisch, entstellte eine Gegenfarbe durch Eingriff des fremdfarbbeladenen Pinsels, bereinigte im Wasser, das Wasser trübend, begann zu mischen — aus Gelb und Blau wurden soviele Grün, als sie wollte, sie mischte mit Deckweiß, Umbra und Elfenbeinschwarz, sie liebte Farbschanden auf ihrer Haut, aber nicht auf den Fingern, wo sie die Sauberkeit der Arbeit störten, sie bemalte, die Wirkung von Nachbar- und Gegenfarbe sicher erfassend, ein ganzes weißes Puppenkleid, nimm dir gefälligst einen anderen Abwischfetzen, schimpfte die mißverständige Mutter; daß der Malkasten nur auf Bitten und Bravheitsversprechen zugänglich war, erhöhte seine Wirkung auf das ordnende Kleinmädchen wohl raritätspsychologisch, wurde aber von Myra auch in erwachsenen Jahren nie gutgeheißen, denn ordnende Menschen wollen alles immer bereit und lieben nicht kapriziöse Erschwerungen.
Man nehme
Man nehme ... ist in liberalen Systemen wie dem LexikonRoman eine Kurzform und bedeutet: »Man nehme, wenn man gerade ratsempfängerisch gelaunt ist«.