Nachziehverfahren?

Nachziehverfahren? Daß ich trotz meiner, »außersprachlichen« Althasenschaft mit der Assimilation »innersprachlicher« bzw dadaogener Methoden nicht 1970 nachziehe, sondern schon 1950 befaßt war, als die Chronik noch mit Busta und Kießling schloß, die »Wiener Gruppe« noch nicht bestand und die Revolte von uns Autoren der »neuen wege« getragen wurde, zeigt ein stilanalytischer Blick in meine alten Gedichtbände und Manuskripte: ob ich darin nun von der statt dem Mai spreche, um seine Koromorphie zu betonen, ob ich die Syntax störe (»Aber Sie haben ein schönes Tier, das Ihnen folgt / Tier Ihnen folgt« oder »Der braune Steinbruch wird tagelang Kinder klettern«), ob ich Wörter zerbreche (»Do you remem, Do you re-ber, Do you remember her«), Neologismen (»Äcker gehackt vom unendlichen Holz Hark«) und wortgeborene Para-Tätigkeiten ausschütte (»Sie schneiden Zeichen in die bartlosen Gesichter / Sie treiben rot / Sie sanden bis zu Salz«), ob ich wortspiele (»Ist das eine grausige Phantasie? / Ist das ein Nachtmahr? / Nein, es ist die Dagmar«), lautmale (»Nur Zink / das linkisch klappernde Zink / der Traufen / wird Tropfen / auf Tropfen / antworten«, es folgen vier Zeilen mit je einem punktförmigen Regentropfen), oder ob ich montiere, Werbesprüche und Musikgeräusche einblende. Zur Ergänzung seien drei unveröffentlichte Texte von 1951 zitiert, in denen ich den Wortschatz überhaupt verlasse:

28. 3. 1951 (»Aus meinem Dada«):
it
Weites Land in der Kindheit, eine Autofahrt am frühen Vormittag in der Nähe eines Hohlweges, in einer ganz neuen Gegend
goch
Ein andermal Lärmen der Zementfabriken. Das Bewußtsein von Staub unmittelbarer als je seither. Goch — später auch noch in Mischmaschinen eine leise Ahnung davon
3.10. 1951 (»Disharmonisierung«):
eroubis
petoukis
limonsastris
chipaquis
stepalaxmis
telathmis

evchiaa
tevelthmaa
idvelxmaa

monibigel

ostna -stna
posus
misblegma
26.12. 1951 (»Sommerlaubenlied«):
m - i
it it t-it
i t-it
m, m, m, it
m, ti, m, tit.

l- i
in in n-in
i n-in
m, m, m, it
m, ti, m, tin.

mo so lu du
in m-u
in, in, m, it
m, ti, m, in, m, tit ...
— und eine Lautnotation vom 10.1.1952 abgebildet:

Nachworte

Affirmative Dichtung, Allwissender Erzähler, Arcimboldi, Barock, Begeisterung, Begründung für den Artikel Körper, Deformation, Dicke Leute, Eklektizismus, Erwartungsmuster, Fehlertoleranz, Feminismus, F-Erlebnis, Fetischist, Freiheit, die ich meine, Geographie, Joyce, Kollaboration, Körper, Komposition, Kulinarisch, Kunststoffliebe, Labyrinth, Landschaft, Lexikonromane, Lokalisation, Manipulation, Man nehme, Marktkundliches, Motivsammlung, Mundart, Nachziehverfahren?, Nouveau roman, Ortsbestimmung, Politik, Pop-Roman?, Realismus, Sättigung, Sehnsucht, Sex, Spezifisches Gewicht, Spielregel,Susi- und Eiske-Epilog, Ulli Ergänzungen, Zigarre 3.

NATUR-HOTEL 1

Marie macht eine Pfanne Eierspeis. Die Pfanne rußt. Die Eier sind selbstgelegt. Alte Naturgeschichtslehrer dürfen befruchten helfen. Patiencelegen ist erlaubt, nur muß man dazu das an der Wand hängende Eselgesicht aufsetzen. Frau Rechnungsrätinnen sind nicht unter Frau Rechnungsrätin anzusprechen, Fräulein Marien nicht über Marie. Hofräte werden vor Wirklichkeit manchmal wirklich. Ein Märchen ist es, daß die guten dicken Landbetten an der Luft ungelüftet bleiben. Die Luft ist wirklich wertvoll. Wenn sich ein junger Romantiker in ein knarrendes Dop pelbett legt, in den eisern zusammengetischlerten Brauttrog, und in der frühzeitig eintretenden Abendstunde wachträumt, mit welcher Vorgängerin er hier wohl schlafe, ärgert ihn Marie, indem sie die angegreiste barthaarige Wutzel beschreibt. So werden Naturhotels rasch entzaubert und weniger schön und verlieren auch mehr und mehr junge Gäste, die Motels hingegen, in denen Filmsternchen abspritzen, ohne daß die Leintücher nach ihnen gewendet werden, können die Jünglingsherden kaummehr einkoppeln.