Kinderaufsicht

Robert, komm her, geh zum Papa abwischen.

Krause Brillenkinder, sich fortwährend umständlich Jäckchen an- und ausziehend.

Mageres kränkliches Frauchen, mit schlaffhängendem weißem Gehäkel über tintenblauem Kleid, sogar das sichtbare Nackt ober den Strümpfen wie fade Milchspeise; trenzt raunzige dünne Verbote.

Kinder rennen einander um einen der Mittelpfeiler nach. Ur-Erlebnis: rotieren, schwindlig werden, Übelkeit speichern, nicht brechen können.

Kleines Scherzfragen-Mädchen: Warum ist die Butter fett? — Daß beim Aufstreichen nicht quietscht.

Mutter sagt: Bleib da. Papa kommt gleich. Bub sagt: Wurscht Wurscht, Wurscht. Vater kommt zurück. Mutter sagt: Es hat sich nichts begeben. Bub sagt: Wurscht, Wurscht, Wurscht. Mutter sagt: Er hätt dir fast den Wein austrunken.

Dann tun wir uns spielen, dann schlafen wir, dann tun wir essen. Dann spielen wir mit meinen drei tütütü. Der-Papamuß-mir-den-Pappendeckel-picken.

Der arme Kinderzeitungs-Pinguin. Weil sein Schwesterl so schlimm war wie du. »Mit den großen Ruderfüßen / sieht man ihn für Margit büßen.«

Nein ist ein Wort, das Kinder sehr beeindruckt.

Robert, komm her, geh zur Mama schneuzen.

Kaufhäuser 3

In der Vergangenstadt vielleicht K? gab es, vielleicht hundert Meter vom vielleicht Paulsplatz, vielleicht trug J. damals einen beigedicken Kindermantel?, und vielleicht hatte man die vielleicht braune vielleicht Pauls-Kirche besichtigt?, vielleicht ein Delli-, vielleicht ein Fasso-Kaufhaus. Vielleicht war J. dort allein, vielleicht vierjährig, vielleicht kauflustig, vielleicht erschreckt, vielleicht zugleich mit einem vielleicht vierjährigen Mädchen vielleicht Vera hineingeraten, vielleicht an der vielleicht zuckerlpickigen Hand genommen vielleicht treppauf gerollt, vielleicht befragt wie er hieße vielleicht getröstet beschimpft und polizeilich abgegeben vielleicht von damaligen Thirties-Schlagern besprudelt vielleicht großes Rotes sehend vielleicht von einem vielleicht schwarzweißen Hund niedergewuchtet worden vielleicht sich das Tränensalz von den vielleicht kindsdicken Wangen schleckend vielleicht vom vielleicht nie prügelnden Vater ungeprügelt vielleicht mutterwarm vielleicht heimtrotzend vielleicht von Regenkot vielleicht brusthoch beschmutzt vielleicht in ein vielleicht vielstöckiges Hotel vielleicht mit klobigem Schlüsselnichtverlierer handbedrückt vielleicht gewaschen vielleicht ein vielleicht rot-blaues Holzhasenauto ersehnend vielleicht mit Träumen von vielleicht Vera vielleicht unfröstelnd eingeschlafen.

Kinder des Weidendorfes

Von den Kindern des Weidendorfes geht keines mit Hunden. Jermilka, Jessica und Jentchen beschließen, Katzenfreundinnen zu werden. Der unglückliche kleine Emil Ettlow aber hält sich ein Eichhörnchen.