In Dosen stehen die ÖIfarben herum, alle offen, bunt und betäubend. Der Meister kommt und wirft uns den triefenden Pinsel an den Kopf. Das ist sein Gruß. Jetzt bist schön blau!, sagt er, denn er ist farbenblind. Wir sagen »ja«, damit er uns keine Maulschelle gibt. Dann dürfen wir selber streichen, in allen Farben der Kindheit. Das Großvaterblau, das es nie mehr gab — eine dicke Schmiere aus reinen Kornblumen. Das Onkelgelb — wie Senf ohne Grün —, mit dem man nur ausgesägte Buchstaben streichen darf. Das Für-immer-Weiß — denn wenn man in den klebrigen weißen Teig die Hände eintauchen wollte, sagte die Mutter, »daß dus ja nicht tust, du bleibst weiß für immer«. Und das Rot, nicht Weinrot, Zyklam, Rosen, Rubin, Koralle, Karmin, Kirsch, Zinnober, sondern das Nur-Rot: das Rot, das Anstrichrot, das zum Anstrichgelb, -grün, -weiß, -blau, -braun, -schwarz so gut paßt. Wenn alle Bretter und Buchstaben sattgestrichen sind, sind wunderbare neue Gegenstände entstanden, die man erst im Hof trocknen lassen muß und dann in die Welt einführen darf. Zum Abschied badet uns der Meister in Terpentin.
Schildermalen
Scharfer Hund
Hundeschärfer.
Schläflinge 1
Regierungsrat R. trug ein Schwitztuch, ein Schneuztuch und ein Damentuch bei sich, so wie er im Büro einen Dienst-, einen Einfalls- und einen Prunkkugelschreiber liegen hatte. Das Damentuch trug als einziges eine Spitze und diente dazu, eventuellen Damen aus der Schneuzverlegenheit zu helfen. Es roch nach dem nahegelegenen Pfeifentabak, wäre also It. Packard für Damen besonders faszinierend gewesen, war aber schon eine Ewigkeit lang nicht begehrt worden; hilfesuchende Damen suchten bei jüngeren Rittern und schneuzten sich, wenn die unbetucht waren, diskreten Lauts in die Bluse.