Freiheit, die ich meine

Nicht identisch mit der, die Ernst Jandl meint. Die echte lexikale Freiheit (Gebrauchsanweisung) bestände darin, meint Jandl, keinen Autorenstil aufgezwungen zu kriegen: zwinge ich dem Leser bei jedem Artikel meine Sprechgewohnheit auf, hustet der Leser auf die Freiheit in der Abfolge von geographischen Punkten.

Jandl — weil es ihm um die Sprache geht — glaubt, die Konstanz des Protokollführers plus die Variabilität des Protokollierten ergeben eine Konstanz. Ich — weil es mir um die Sache geht — glaube, die Konstanz des Protokollführers plus die Variabilität des Protokollierten ergeben eine Variabilität. So, wie die Konstanz des Fahrenden plus die Variabilität der Fahrtpunkte eine Variabilität, genannt Fahrtvergnügen, ergeben. Nach Jandl wäre nur noch die Fahrt aus der eigenen Haut vergnüglich.

Indessen stelle ich mir Jandls Alternativlexikon reizvoll vor; ich würde es, weil seit Mao Gärten ja Platz für tausend Blumen haben, als eine erfreuliche Konkurrenz und Unterhaltung begrüßen; ich gebe zu, daß ich mit dem Lexikon jedes Mitmenschen froher spielen werde als mit meinem eigenen.

Vorderhand kann ich Freiheitsliebenden der Jandl-Variante nur raten, bei jedem meiner Stichwörter in einem neutralen Lexikon, einer Etymologie oder auch sinngemäß in Kompendien der Technik, Erotik, Völkerkunde, Psychiatrie etcetc, bei Marx, Wittgenstein oder in der Bibel nachzuschlagen. Mit diesem Rat bin ich unweigerlich avantgardistischer als die neugierig erwartete Konkurrenz.

Frau und Freude, das Blatt mit Herzpfiff 9

Denken Sie jede Sekunde an Ihre Schönheit. Schreiten Sie wie eine Königin. Ein Mann, der behauptet, er sei der Herr im Haus, lügt auch bei anderen Gelegenheiten. Tragen Sie ein optimistisches Gesicht. Prägen Sie Ihren Mann. Spitze ist unschlagbar, weil sie einen Mann sehr zart ans Heiraten erinnert. Nichts läßt Frauenaugen so blitzen wie der Anblick edler Diamanten. Machen Sie keine Lachfalten. Eine Frau fühlt sich dann am stärksten, wenn sie einen Mann schwach gemacht hat. Armband aus Goldplättchen mit Turmalinen und Brillanten: diese goldene Fessel läßt sich jede Frau gern anlegen — stimmt's? Pelzbikini — der Traum jeder Frau. Wenn es um einen neuen Hut geht, ist jede Frau ganz Ohr. Für eine Frau ist es besser, den Mann zu heiraten, von dem sie geliebt wird, als den, den sie liebt. Der Mann ist eben ein Egoist. Abends bevorzugt Eva nach wie vor Romantik. Kinder sind der beste Ehekitt. Liebe geht ja doch durch den Magen. Frauen sind ja doch bessere Diplomaten. Die Klügere gibt ja doch nach. Die Liebe ist ja doch eine Himmelsmacht.

Gaatsch

Gaatsch : einer der m. E. tolerablen Austriazismen, da in seinem Fall das weich Verbreiende wienerischer Konsonanten und das dehnend Verzähende wienerischer Vokale dem darzustellenden Material adäquiert. Einen Gaatsch (Erdkot, Lehm, Morast) zu katschen (kauen), mit gesundzahnigem K und schnappigkurzem A, ist minder zumutbar als: ihn zu gaatschen, mit gammligem Graugrün-Gebiß und mittendrin einschlafendem Gaatsch-Maul.