Motive für den Erwerb eines Eichhörnchens

Aus der Deutschstunde behält man, daß es ein Eichhorn ebensowenig gibt wie ein Kanin oder ein Mad. Eichhörnchen- und notfalls Kaninchenliebe werden also meist eine Vorliebe für junge Mädchen tarnen, die sogenannte Korophilie, etwas, das der Mann im Zeitalter der genialen Analytik nicht ohne Berechtigung tarnt; ein Wissenschaftler, der alle linken Hände nur für Degenerationen fälschlich links angewachsener rechter Hände hält, sieht in der Mädchenvorliebe von Männern eine lesbische Entartung Schwuler und wendet deshalb an das Natürlichste den griechischen Fachnamen einer Perversion, vom Kotschmieren nurnoch durch Kastration eines »p« getrennt.

Eichhörnchenkaufende Mädchen haben oft einfach den Erwerb fehlender oder zusätzlicher Eichhörnchenhaftigkeit im Sinn.

Motive für das Quälen von Katzen

Nach der vermeintlich erschöpfenden Betrachtung einer Schwarzkatze, nach den ersten Entzückensäußerungen und den späteren vergeblichen Anreden weiß der Dreijährige mit der Katze nichts mehr anzufangen. Ein Wunder müßte geschehen, aber es unterbleibt. Da lotet er ihre Möglichkeiten aus, indem er die Dehnbarkeit ihrer Arme mißt, die Brüchigkeit ihrer Beine, die Durchstoßbarkeit ihrer Ohren, die Widerstandskraft ihres Schnäuzchens gegen spitze Steine und Brennesseln. Nun kratzt sie ihn blutig und liefert ihm ein zweites Motiv. Das reicht für totalen Krieg. Mit der Wunderwaffe seiner Schuhe malmt er ihre Füße, und seine Milchzähne suchen im Raubaffeninstinkt ihre Halsschlagader. Heut hab ich das Katzi aufgefressen, prahlt er schmerzglücklich, und seine Mutti berichtigt ihn: »Aufgegessen, sagt man. Fressen tun nur die Viechi.«

Motive für die Freude an Verwinkelungen

In einem verwinkelten Raum haben nicht nur die räumliche Tiefe, sondern auch die Türenund-Fenster-Front räumliche Tiefe. Wo nur die räumliche Tiefe räumliche Tiefe hat, ist der Ersatz des Raumes durch Vorstellungen oder Postkarten leichter möglich. Vorstellungen und Postkarten aber sind zweitrangig, weil man von einem Raum nicht nur mit Gegenständen unterhalten, sondern auch umhüllt werden will. Der Raum ist, würden die Freudianer sagen, Sinnbild des Schoßes. Nur selten haben Vorstellungen diese Umgebenskraft, Postkarten nur in ganz geschickten Fällen oder wenn man sie in eine Pappschachtel stellt und mit einer Guckloch-Lupe betritt.