Knopf vom Knopfbach aus: Windwurmgasse 1 hat ihre Fortsetzung in Riegelgasse 3 und Speckmessergasse 5, ums Eck der dritten Seitengasse geht die Riegelgasse weiter. Dörrfrauen hängen in den Fenstern, haben ihre löcherige Galle an der Hofleine aufgehängt. Im Wallgraben liegt ein Abgehäuteter, obwohl die Gassen sonst rein sind; die ersten Straßenkehrer nach jenem Blutbad hielten sich für inkompetent, die späteren ihn für ein Naturdenkmal. Die Stadtbibliothek trägt die Inschrift: »Jeder, der viel wußte, hatte noch Verluste.«
Knopfbach
Knopf
Das zieht natürlich die Leute in seinen Sog und facht die Harmonika-Feuerung an, entlockt auch dem glühenden Blechschiff im Zischwasser ohrenzerreißendes Tuten. Daß der Lehmkopf voll sparsamgrüner Weintreppen jetzt schon dem rechten Kulissenufer einen nahenden Hintergrund macht; daß es den Auwald aber zerreißt und die Stadt drinliegt, gleich ist sie beschreibbar, wenn einmal die Brücke, zum Beispiel das riesige Lagerhaus, die unmittelbar herankommt, ein Weißhaariger bläht den roten Brustkorb, hier möchte er ja gleich vom Schiff ins Wasser, denn es ist Schwimmwasser, passiert ist, und neben dem Lagerhaus der Wohnklotz unproportioniert massig und aufragend vom flachen armen verschlafenen Hügel (rechter Stadtausläuferflanke), und wirklich sind wir unter den verschränkten Eisenflüchen der Brücke, die zehnten, was das Metall alles zusammenschimpft, treffen unseren Kopf, ja, schaut, die Stadt ist wieder weg, idyllische Schraubflaschenpicknicker im Ufergras bei den weidenden Autos, richtiges Schlachtenwetter, euer Strand wird gerammt, das junge Frauchen mit ausgeprägter Vasenfigur im einteiligen Rottrikot wird als Galeonenmiss gespießt, eh sie begreift aber mit Preßluft in den Backen schwimmen da schon die frechsten Buben an, erst im Augenblick vor dem Sieg können wir sie mit der Kielwasserzentrifuge zerstäuben, und im Tod noch spucken sie ein »Tod den Piraten« an Bord. hier hilft nur ein Bauch-007, aber dieser Bauch rennt grimmend vorbei zu den Waschräumen, nnd aus der Au entsteht eine vielstöckige Menschenbarrikade, winkend und um diese Tageszeit kann man schon im Schwimmdreieckchen die Stadt bevölkern und sehr viele Arme und Beine verflechtend und lachen und Schwimmhauben tragen oder meiden und Hunde mit abgeschälten Stöcken ins Wasser kommandieren. Wir winken und flattern und fleischeln zurück, und unsere Schwimmhosenmann- und Bikiniweibschaft tritt zum Gegenangriff an, den Kokosankerwurf nicht abwartend und den Steg stürmend, an dessen Ausgangseingang Gekreisch, Zertrümmerung, viele Ohrfeigen, Ellenhiebe. Verwandtenumarmungen und Nacktpärchenaufküssungen entstehen. Irgendein Zivilistenmarsch schmettert aus der rotblaugelbgrünen Station mit dem weißen weißgelben weißblauen Licht drauf und mit den schattigergrünen Verzierungen, aus denen dicke rote orange und violette Blumen wachsen. Knopf, die schönste Einveborenenstadt der Welt. Und wie sie ins Restaurant wimmeln und aus allen seinen Fenstern ausdringen und würmeln und wursteln und all die Lastwagen voll Speiseeis, die unauffällig umherstehen, leerschlecken, mit den Bechern wedelnd und Tüten winkend und quietschend, wenn sie sich mit Papierbändern anwerfen und Sodawasser bombardieren.
Knopfer Tor
Man tritt ins Tor und ist plötzlich im Tor einer Weltstadt, im Licht, nach seiner Finsternis, rumort, wimmelt und schaufensterglitzert das Citygäßchen einer Weltstadt, und dreht man sich um, liegt im Licht, nach seiner Finsternis, ein zweites Citygäßchen einer Weltstadt, mit Juwelieren, Antiquitätenläden; umfärbende Brüden und erstickende Parfums quellen aus Coiffeursalons, und für die Ankunft im Airport oder im Hiltonhotel empfehlen sich massige neuhelle Schweinslederkoffer. Dämchen auf Glasstöckeln und in Puderwolken haken sich in rosa Gecken, und Orchideen am okapiledernen Herrenschuh oder im durchstochenen Herrenohr sind keine Seltenheit. Grüßt man lettisch, wird man auch verstanden. Der Autoverkehr spielt sich auf Drehscheiben ab und aus allen Magnettüren dringen Stereoschlager. Die prächtigsten Läden liegen im Dunkel des Tores, mit Phosphoreszenzbeleuchtung nutzbar gemacht, Blau-, Violett- und Orangelicht aus Plasmaröhren oder natürlichen Stromquellen der Tiefseefische. Ein wenig marktschreierisch findet man die Tausende Fahnen in den Farben Knopfs und Senfs. Tritt man aus dem Tor, genügt der Augenblick des Aufpassens (ungerädert den Gehsteig der Tageslichtstadt zu erreichen) um allen Cityspuk zu zerstreuen. Einförmig liegt das Gäßchen im weißgrellen Tageslicht, Grün und Staub und Steinhäuschen, und Felleisen auf dem Rucken wandert der Handwerksbursch von weither über Knopf nach den Feldstreifen von Senf, um in irgendeinem Abend die deftigen Betten von Druden zu erreichen.