Ihr Körper ist schlank, selbst die Oberschenkel, die in der Eröffnungsgeste das Eröffnete verdecken, wodurch das Journal höchstens in Österreich beschlagnahmbar wird, verzichten auf animalisierende Mächtigkeit. Die Brüste fallen nicht ins Gewicht. Das Gesicht aber staut die Kernung eines übernährten Frauenkörpers, ist also Fettfetischisten Trost und Zentrum, mischt den geekelten, mühsamen, quetschenden Ausdruck der Schmalzbehinderten mit der Frechheit, dem Stechblick, der Tropflippenträgheit billiger Straßenmädchen. Eine Nachahmung des Betts Ludwig des Soundsovielten macht die Frau, die eben irgendwie beschaffen ist, irgendwie beschaffen muß sie ja sein, zu einem vollwertigen Ding des Herrenjournals.
Die Heterogene
Dicke Leute
Ein zeitungbeliefernder Diagonalleser meiner Erzählungen stellte irrtümlich fest, bei mir fänden sich nur zweierlei Frauen: ätherisch-schwesterliche Mädchen und gefräßig-dumme Fettweiber. Dieser Kritiker wird jetzt platzen: von dem Fett, das ich diesmal in mein Buch investiere. Barbara ist dick, die Serviererin dick, eine Menge Fahrgäste dick, und sogar der absichtlichen Frauenmast ist ein Artikel gewidmet. Liegt es am sozialistischen Realismus, der mich zwingt, unser Prosperitätsfett uneingemiedert nachzubilden? Liegt es an der eigenen Figur, für deren Überhandnehmen der Autor ängstlich Parallelen rundherum sucht? Liegt es an einer unbewältigten Nichtzubewältigenden? Hat der Autor für sich die Niederländer entdeckt? Will er aszetisch die Welt geißeln, Striemen ziehen über das Bauchfleisch — den Sitz der Völl- und Hurerey Babels?
Die mit den Schlafaugen
Wie sehr, sagt Alphard Mutz rückerinnernd, hätten wir (ich, der kleine Zero Zobiak und der mittelgroße Encore Edibelbek) unsere Schlafpuppen, mit denen wir, ehe man uns an den Koala-Bären gewöhnte, schliefen, geliebt, wenn sie wie diese Kitty Durban die ganzen Lider, von den Wimpern bis zu den Brauenbögen hinauf, mit diesem Nachtschwarz ausgefüllt getragen hätten. Wir hätten gesagt: Wenn eine Tag und Nacht nur mit Männern liegt und die Haut ihrer Lider allmählich ganz durchscheinend wird und Schicht für Schicht die gestockte Enttäuschung blau, violett, grauschwarz sich ablagert, nie wird sie diese Summe verrotteter Verheißung anhäufen, die der Chefkosmetiker McLoy mit einem einzigen unerregten Pinselschwang vom Black-Tiegel auf die Mädchenhaut transportiert. Er kriegt gezahlt, und fünftausend Leser erkennen sich in französischen Duft und chinesische Seide gewickelt. Fünftausend Kitty Durbans seufzen kaum hörbar ihre entzückte Ergebung ins Leserbett, und ihre schwarzen Lider warten, blankgeküßt zu werden.