Espresso, Verbündeter gegen den Schlaf. Das Zischen; alles muß express gehen. Espresso, »rausgedrückt« und schon in der Konferenztasse. Sich die Zunge verbrennen. Gewichtige Lederdrehstühle und Entschlüsse. Mein Respekt vor Eile und Manager-Image, du heiliger Strohsack. Ich denk heut manchmal, ich könnte glatt aus dem Zimmer der guten Geschäfte auf eine Rauchpause rausgehen und mich, ohne Selbstbestaunung, im Kommunistenzimmer niedersetzen. Handelsspanne ist nur eine Modifikation des SkeptikerDaseins. Warum gerade die Italiener den Espresso erfunden haben? Vielleicht, weil sie rasch sprechen und rasche Geschäfte mögen. Vielleicht, weil sie buntes Licht und Nickel mögen.
Espresso 1
Erwartungsmuster
Die »Zerstörung von Erwartungsmustern« hielt ich beim Schreiben immer für wichtig, lange bevor ich die schöne informationstheoretische Metapher kannte; ja, selbst, bevor ich Brechts »V-Effekt« kannte. Zum einen ergibt sich diese Zerstörung spontan aus jeder genug aufmerksamen Protokollierung (denn, wie Cysarz sagt, es gibt nur Neues unter der Sonne), zum andern will der Autor sich und die Leser aus dem Schnarchfluß stören. Darum immer wieder Stromschnellen: Gedankensprung, Blicksturz, Affektwechsel, Phrasenverstellung, Neologismus.
Espresso 2
Warum behalten nur die öffentlich hergestellten Espressi ihr Aroma, warum treffe ich und trifft selbst meine Sekretärin nie das Richtige? Auch mit Kakao, Salz, Natron, sogar mit Kamelmist, haben wir es schon vergeblich versucht.