Der Vorgarten ist exakt, blumig, betoniert. Eine gelbe Glastür schützt das susibewahrende Innere. Ein Fremder drin sagt »Wiesenhang«. Aber die Wiesen sind giftgespritzt und tragen Warnschilder. Die Kräuter riechen nach Bienen, die toten Vögel nach Wespen. Wespen und Bienen sind Motorfliegen und lassen einander in Ruhe. Der Fremde läßt Susi in Ruhe. Der Fremde hängt Ingrid nach und wird nie zu der gelangen. Deswegen hängt ein Barometer mit ausgeleierter Feder an der Wand. Die Sonne scheint traurig auf Polstermöbel voll Vergangenheit und ein Elbebild. Die Vergangenheit ist vergeblich, weil sie noch niemand glücklich gemacht hat. Erst die Zukunft wird Menschen glücklich machen. Annähernd glücklich sind auch die, die das glauben. (Aber auch ein durstiger Todeszellenmann ist in dem Augenblick, da er eisgekühltes Sodawasser in seine Kehle flößen darf, frei und glücklich; frei, denn niemand hindert ihn an der Trink-Tat; glücklich, denn die Stillung des Eissodatriebes nimmt seinen ganzen Gesichtskreis ein, verdeckt die Hinrichtungsmaschine — so wie ein niedriggehaltener Regenschirm den losstürzenden Kometen verdeckt.? Susi trinkt Whisky-Soda, im Haus auf dem Knopfer Hügel so schon wie in der Bar neben J. Nur ist die Bar unwiederbringlich, das Haus unwiderruflich. (Ein Komet ist meist nicht gefährlich. Aber er kann der Erde den Luftmantel ausziehen und einen Giftmantel anlegen.) Warum ist die Banane gelb, spielt sich Susi auf. Sie hat einen guten Plattenreiniger. Sie mochte schon seinerzeit diese Hits einer alten aufbrechenden Zeit. Ihr Mann, J.s Todfeind aus der Schule, der mit dem hirschhörnernen Stockknauf, ist Diplomarchitekt, Susi wird nicht verbauern. Susi hat ein Kind. Susi ist ein Kind. (Susi.)
Haus am Knopfer Hügel 1
Hahnenzierden 7
Es gibt auch Blumen mit dem Rot und der Lappigkeit von Hahnenzierden. Das Rot ist sogar noch hahnenhafter. Die Blüten stehen an langem Stiel zwölfsprossenleitrig übereinander. Kleingärten, die sie am Gitter ziehen, werden von den Gemeinden etwas später als die anderen eingeebnet.
Haus am Knopfer Hügel 2
Susi, die Frau des Hauses, muß mehrere Winkel nehmen (Motiv für die Freude an Verwinkelungen), endlich erreicht sie den hügelnahen Ausgang. Für Fremde ist dieser Ausgang ein Eingang. Um zu Susi zu gelangen, müssen sie mehrere Winkel nehmen, schmiedehölzerne, rotbucheneiserne. Im Garten dieser Vorhundstage, die alle Aktivität verderben, kann jeder, inmitten des buntgrünen Blumengemüses, dichten oder, wenn er ein Pechingenieur ist, einen neuen Pechkocher aufs Papier werfen. In seinem ventilatorenzerhackten Büro wird er dem technischen Zeichner pfeifen, dem Direktor schmeicheln, der Techsekretärin die Skizze zur Ablichtung ins Schwitzhändchen kuscheln. Susi aber gibt den Fremden — wenn sie sich zu einer Knopfer-HügelParty im bleichen Sommerhügelstaub treffen — die stadtgewohnten Susihände. Bei der Party muß man allerhand bunte Winkel nehmen. Dies war nicht das Leben, das Susi und J. sich in der Studentenstadt konstruiert hatten. Susi zeigt in Vorhundstagen niemand ihre Pelze denn die hat sie zu dieser Zeit außerhügels, bei einem Knopfer Kürschner (Laus & Nistl, mit verblichener Totwand-Reklame), eingehängt. Susi nennt es, wenn Frauen viel von Motten sprechen, Geschwätz.