Milchblau 3

Milchblaue Träume passen gut zu schwarzem Katzhaar, blek blek blek blek geht die Zunge, und schon ist die schwarzblaue Schale mit milchblauer Milch blank.

Milchblau 2

In ein Häuschen ist eine Nische eingelassen. Tief hinten in der Nische schattet ein Fenster. Die Nische ist milchblau gemalt, so daß Leute, die aus dem Fenster sehen, plastisch in den Hintergrund gerückt sind, in lieblichem Rahmen, und auch ihrerseits einen gewissen Rückhalt haben. Die Leute, die, zB winters, aus dieser Nische schauen, sind ein tröstlicher Anblick.

Mindel

Romantische Buben glauben, »Mindelkraut« kommt von »Mindel«, jenem unvergeßlichen Mädchen Mindi (Vindemiatrix, Winzerin Epsilon im Sternbild der Jungfrau, die jeden Buben größerer Städte einmal im Leben besucht). Es wäre an sich denkbar, denn Mindelkraut ist in seinem Minz-, Pastell- oder Pistaziengrün wirklich »lieblich«, vor allem jung und interstellar. Mindelkraut hat selbst Sterne: Sternblüten und auf den Blättern nochmals Sternmuster in Weiß. Es schmeckt bitter und aromatisch, Wermut ist dagegen Lakritze und Minze ausgekautes Gras. In Mindenheim, wo die Mindenmädchen angereichert vorkommen, sind unabsehbare Rasenflächen voll Mindelkraut; dazwischen blubbern jene so begehrten Mindelbäche, mit Krümmungen, Stegen, wo die Mindenfrauen ihre Wäsche waschen, und voll Mindelwassers, eines kationenreichen, aber anionenlosen Sprudels (den Chemikern ein Rätsel, den Wanderern eine salubre Erfrischung). »Möge dir [etwas] Mindel und Kamille sein« ist ein alter Segensspruch. Die minder Gebildeten glauben, er rühre von der Mindeleiszeit (der einzigen Mindel-Ableitung, die sie in gewöhnlichen Lexizis vorfinden), und halten den Segen daher für einen verkappten Erfrierungsfluch.