Parfum 1

Annabelle, des Tags duftsparsam, badet zwar — dem Rat ihrer Zeitschrift folgend — abends sich, den Raum und den Freund in Parfum (es ist fast egal, wohin Pierrre küßt: auf die Deckenkappe, das Rüschendekollete oder das Blausilberhaar; sie brennt ihm den Duft ein, daß ihn keine drei Bäder morgen vor dem Neid seiner Freunde retten), aber sie kann ihren Duft trotz Firmenmarke und Gebrauchsanweisung nicht einordnen.

Jede erdenkliche Farbe hat ihren Platz nach 1) Spektrum, 2) Reinheit, 3) Schwarz-Weiß-Achse, läßt sich also bestellen, beschreiben, vergleichen, einem Computer eingeben (003.026..252 wäre zB das Pastellgrüngelb eines bestimmten Erbsenpurees). In den Düften aber herrscht noch heute, da wir bald Mondboden-Rüche und Venusschlamm-Stänke zu schnuppern kriegen werden, heil- und ratloses Durcheinander. Wohl gibt es einen Doppelkegel; auf dessen Mantel und in dessen Körper alle Düfte ihren Ort (nach: blumig, fruchtig, würzig, faulig, harzig etc) finden sollen, aber daas glaubt und verwendet niemand. So heißt es in Parfumbeschreibungen weiter:

  • romantisch, heiter, feminin, elegant, anspruchsvvoll, ein Phantasieduft aus vergangener Zeit, apart, orientalisch, für Empfindsame, wie Harfenklang, sehr intim und verführerisch, für den glanzvollen Abend, anschmiegsam, wie der gleichnamige Drink, eigenartig, herausfordernd, etwas pikant, eigenwillig, auffallend und doch diskret, witzig, frech, lieblich, das Parfum für Wagemutige, weder süß noch herb, unverbindlich, Duft der sogenannten modernen Note, mächtig, verwirrend, leidenschafftlich, impulsiv, für Winter und Pelz.

Die Menschen haben sich wahrscheinlich für den Besitz ihrer Nase zu lange geniert, weil sie an den Hund erinnert, und darum dem Spektrum auch das an Neugier gegeben, was des Duftkegels ist. Nur abends hüllt Annabelle usf.