Dem Spinat hatte es J. zu danken, wenn sich ihm zum Hühnerdreck nie eine solche herzliche Beziehung wie zum Kuhdreck einstellte. J stand einmal vor einer grün gefüllten Hühnerjauchengrube, so wie er unzählige Male vor dem Zwangs-Teller geknofelten Spinates saß. Dem Vitaminträger, pfui Teufel. Er bat seinen Vater, ihm den Spinat doch in Pillenform zu kaufen, denn sein Vater fraß die Stierhoden ja auch nicht in Urform, doch für diesen Vergleich bekam J. eine Maulschelle.
Spinat 1
Spielregel
Wenn ein Mensch vor einer Sekunde mit dem Schicksal; eines der üblichen Stadt-, Kaufmanns-, Alltags-, Junggesellenetc. -Leben führen zu »müssen«, gehadert hat und nun, nach Vorsatzfassung, sich in die ungebrochene, sorgenfreie, verliebtenfrische, immerrichtige Welt der Phänomene zu stürzen, sogleich kohlige Kähne, Kohlenstaub auf Kohlenkranen, verbeulte Fässer und schreiende Kreissägen wahrnimmt, halte sich der Leser vor Augen, daß kein Etwas, das man im Sonnenschein sieht, so häßlich wie die Wolke ist, die dem Besorgten alles verdeckt; ja, daß es in der freigewitterten Welt überhaupt nichts Häßliches gibt (Kuhdreck!); daß der Verladearbeiter, der lebenslang die Kohle schaufelt und siebt, sie wohl hassen und von ihr eine tote Lunge bekommen wird, daß diese Sorgen aber, so unsozial das fürs erste klingt, nur das Schwarz im Malkasten des Reisenden sind. J. würde selbstverständlich, wenn er die Macht hätte und es seine Gewinnspanne nicht schmälerte, dafür sorgen, daß kein Mensch mehr verkümmern und kaputtgehen müßte; er würde oft genug noch wegen des Häßlichen in der kommentierten Welt niedergeschlagen sein; nie aber würde er die Fähigkeit verlieren, zeitweise bei abgeschaltetem Trübsinn zu leben und die Welt einfach als vielfarbig Hingesetztes zu sehen, als bejahens-, ja bejubelnswertes Viel im Gegensatz zur Möglichkeit des Nitschewo und auch zum Wenig des verhangenen Krankenzimmers.
Spinat 2
Auch Spinat säten sie aus den dünnen windigen Papiersäckchen mit den großbunten lehrreichen Gemüsebildchen. Sie machten die Beete aus mooriger Erde, den Füßen und einer Schnur, und der Bub wußte, daß das irgendetwas bewirken würde. Er trampelte gern im hall-losen Weich, im feuchten Sattbraun und kam so zu guten Weglein zwischen den Beeten. Er kannte bald jede Samenart, spielte mit der Gottwillkür in seinen Säckchenhänden, genoß im dicken grünen und bunten Frühlingsommerherbst, in den zehn Jahrzehnten eines Bubenhalbjahrs, alle Ausgrünungen, Ausknäuelungen, Ausblühungen, all das Eßbare, das er hervorrief. Er bekam auf die Frage nach Menschensamen eine erdbraune Ohrfeige, und man erntete strunkigen Spinat, dessen schurzgroße Menge die Mutter dann durch den grüntriefenden Wolf drehte und dessen Knofelbreiheit, vom grünhölzernen Löffel patzend, trotz angebackenem gelbäugigem Spiegelei die enttäuschendste Ernte eines Gärtnerlebens wurde.