Es roch nach Kuhdreck, aber weit und breit waren keine Kühe. Eine Beamtin in den mittleren Jahren wartete auf ihre Kollegin, die drinnen saß. Er ging unbeirrt auf die andere Lattentür zu, auf die eine Lederhose gezeichnet war. Er schloß hinter sich ab, wippte ungeschickterweise erst dann den Schalter auf »Licht«. Sein rechter Schuh haftete schon an einem schmutzigen Zeitungspapier. Er studierte die pompejanischen Wandzeichnungen, bewunderte abgebildete Größenverhältnisse und las »Mahlzeit«. Das Brett hatte einen Spalt, in dem man sich empfindlich einklemmen konnte, zwei Kettenglieder der Spülung hingen zu lose aneinander, sodaß beim Ziehen der Handgriff abriß (»Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied«). Aber total gesehen, hatte der Raum seine Funktion erfüllt.
WC 2
WC 1
Durch eine Tür, die sich schloß. Von jetzt an war alles automatisch. Absolute Dunkelheit umfing ihn und schob ihn weiter. Dann erschien Lumineszenzschrift. Links stand »Damen«, rechts stand »Herren«, inmitten stand »Vertilgung«. Er wählte artig rechts, worauf es dort zu surren begann. Auch eine Leuchtstoffröhre schaltete sich ein, und eine Transistorstimme sagte deutlich »Sie haben gut gewählt«. Nach Vollbringen wusch ihm ein Luftstrom Gesäß und Hände, ein Automat bot ihm »für abend« kleine Behelfe an. »Danke!«, klang es ihm nach, und ein sachter Orkan stellte den Anfangszustand für den nächsten Besucher her.
WC 3
Bescheidenes, freundliches Interieur. Weiß, klein. Spülkästchen aus einem »Preßwerk«, jenem, das säuberlich, aber voll unheimlichen Feuers, an der Südstrecke lag. So klein auch die Zeitungsblättchen »zum Unterlegen«, durch mehrfaches sauberes Zerschneiden aus der »Kronen-Zeitung« gewonnen, mit ihrem ohnehin so kleinen Format. Daneben echtes, aber violettes Industriekrepp. Keine Sorge, es färbte nicht ab. An der hübschen weißen Tür hing, reinlich auf ein A 6-Zettelchen getippt: