Lesen wir, sagt der Ingenieur, was unser Spaßmacher heute wieder über die Frauen schreibt; ich sage Ihnen, es gibt nichts Köstlicheres, als sich ein Stündchen von der Gattin abzuseilen und ungestört Nadelstiche gegen das schöne Geschlecht zu studieren. Armer Tropf, denkt Chemiekaufmann J. sehr leise, wärst du mit Eiske oder Susi liiert... oder mit Ulrike... — Was wäre dann?, denkt der Ingenieur; würde ich dann wirklich dieses misogyne Klischeegekicher unter meiner Köstlichkeits-Ebene finden? Nein, Sie haben recht, denkt J., auch die Liebe der gescheitesten Frau heilt einen Muffel à la longue nicht von seinen Vorurteilen. Kommen Sie, sagt der Ingenieur, nehmen Sie Urlaub vom Denken; also was schreibt unser Spaßmacher?
Merkwürdig, denkt Mytilla Mitil mädchenblaubeschürzt in einem jener Städtchen, daß unsere Zeit sich einbildet, vom Baby bis zum Großpapa Sigmund Freud nötig zu haben, während sie in Wirklichkeit Alfred Adler nötig hätte. Wir haben eine AdlerZeit wie noch nie. Es wimmelt von Geltungsneurosen, Minderwertigkeitskomplexen, irrealen Leitlinien, Entwertungs-Attituden, Geschlechter-lntrigen. Eine merkwürdige Übereinkunft, denkt Mytilla, Adler totsein zu lassen und das Problem, im Gegensatz zu Kleeblättern, Inzesten und Ziegenbeischläfen, zu tabuisieren. Der Kampf der Geschlechter hat sich seit Strindbergs Zeiten vollautomatisiert und atomgerüstet, aber niemand stellt ihn fest. Sex gemacht wird angeblich wie nie zuvor — stört es niemand, ihn mit Feinden zu machen? Ich, denkt Mytilla, bin Deserteuse. Aber wird der, den ich suche, auch Deserteur aus dem idiotischen Kampf sein? Mytilla freut es, daß Rilke ein Mädchen sprechen ließ:
Solang das Liebe heißt, daß einer siegt
über den andern, geh ich. Teile Kühle
im Gehen mit. Ich werde nicht zuteil.
Mytilla geht. Ihre mädchenblaue Schürze teilt Kühle mit. Mytilla wird einstweilen nicht zuteil.