Entwicklungen 2

Quenta Quebec entdeckt den reinen Klang einer Art Allzweckgläser, in denen Senf geliefert wird. Sie kauft eine Unmenge Senf und baut ein Senfglasophon. Durch Einfüllungen von Paraffin stimmt sie das Gläserregister auf ihre Lieblingstonleiter:


i j k l m n o i'

i liegt irgendwo zwischen c und dem Viertelton zwischen c und cis. i' ist von i nicht durch eine Oktave, sondern durch 9⅓ Tonabstände der harmonischen Leiter getrennt. Das Intervall zwischen i und i' wird in 7 gleiche Spannen geteilt, jede also überbrückt 1⅓ Tonabstände. Halbtonschritte in der Siebenerleiter gibt es nicht, dafür zwischen Ton und Nachbarton zwei Dritteltöne, die durch p- und q-Zeichen (Zuguß einer rasch verflüchtenden Flüssigkeit ins Senfglas bzw Ablöffelung von Paraffin) von 0.33 auf 0.30 bzw 0.35 umgezerrt werden können.

Quenta Quebec spielt mit reinem Elfenbeinstiel oder tönemischendem Messingstab bald alle geläufigen Schlager in die Senfglastonart um, c durch i, d durch j ersetzend, und so weiter, cis und des aber durch ios oder ius (die zwei Zwischendrittel zwischen i und j) vergewaltigend. Vater und Freunde bleiben verständnislos, sprechen von Katzen-Musik und Schad um den Senf. Die Fünfzehnjährige aber gerät in der Faszination wie Gemüse im Zuchtröhrenlicht, nie wieder wird ihr das Eins von Musik, Mathematik und Psychoakustik so naheliegen wie dieser Tage in der durchplanten Befremdung. Wieder wird Quenta um einen Schub schöner, längst schon hochreifes Ziel unreifer Lieben, die Buben zerlieben ihr die Aufmerksamkeit, verwöhnen ihr Haut und Eitelkeit, erkennen in hübschen biologischen Prägungen und frechem Textilbehang aber nicht ein Quentchen von Quenta Quebec, der unlohnend*) Lohnenden.

* (denn lohnt es, lohnend zu sein?)