Kreissäge 2

Der rohbraune Kreissägetisch. Und das Schreien. Das Glockenbimmeln beim Einlegen. Das gelbe Warnschild mit der rotblutenden abgehackten Hand. Und das Schreien. Der abfliegende Sägestaub, der aufbrechende Terpentinduftspeicher. Und das Schreien. Ablängung auf Stücke von 1m, Aufplatschen der Schnittstücke. Und das Schreien. Damit die Säge sich nicht festklemmt wird die Zahnlinie dicker als der Rücken ausgeführt, oder die Zähne werden geschränkt. Jetzt macht der Arbeiter Pause. Am Fuß des Kreissägetisches stehen zwei Bierflaschen. Die Kreissäge schreit jetzt nicht. Sie wurde 1799 in Frankreich patentiert. Der Lehrling trägt jetzt geschnittene Stücke weg. Die Mantelzähne sind aus Schnellstahl, Schnittgeschwindigkeit bis zu 70 m/sek. Der Arbeiter kratzt sich den nackten braunen Bauch und läßt den Motor weiterrennen. In Bodenfugen verirren sich Blumen. Der Lehrling hinkt jetzt. Ein Sägeblatt, das während der Rotation flattert, kann Nuten in das Holz schneiden. Das Vergnügen, Genutetes zusammenzusetzen. Jetzt knallt ein Pfosten auf den Tisch. Und das Schreien. Alles muß zusammengeschnitten werden. Was ist dir draufgefallen? Und das Schreien. Es gibt auch Besäum-, Aufteil- und Formatkreissägen. Die leeren Bierflaschen werden um zehn eingelöst. Eine sich entfernende Kreissäge schreit allmählich leiser und fällt irgendwann aus der Aufmerksamkeit.