Malkasten 2

Myra Metelli und Quenta Quebec sitzen auf den frischmörtelbekleckerten Stufen des Zweifamilienhauses. Myra auf der dritt-, Quenta auf der fünftuntersten. Sie feilschen um den Besitz des gefundenen Puppenmalkasten (in Wahrheit Lidschminkkästchens, das eine Parfumeriehilfe gestohlen und an einem Versteck ihrer metzgernden Freundin zum Austausch gegen Landwurstwaren hinterlegt hat). Malt man damit Puppenkleider an?, fragt Myra. Nein, Puppen und Puppenzimmer, sagt Quenta. Aber man kann doch Puppen nicht blau anmalen und grün, wo willst du Puppen blau und grün anmalen?, fragt Myra. Red nicht so dumm, sagt Quenta, gib ihn mir, ich seh, du bist zu blöd, damit umzugehen. Nein, aber sag wirklich!, sagt Myra. Au, sagt Myra, weil Quenta ihr das Kästchen aus den Fingern gedreht hat. Nun liegt es offen auf der frischbemörtelten Stufe, hat im Blaufett eine Schramme, im Grünfett einen Aushub, im Silber einen feinen Riß, vom Überschlagen auf zwei Stufen, und nun tritt Myra es zu Plastikschrott und Baatz, aber die Farbe geht in die Oberfläche des frischen Mörtels ein und versöhnt die beiden Zehnjährigen zu einem pastellbewundernden Pastellmädchenpaar.