Myra Metelli und Quenta Quebec sitzen auf den frischmörtelbekleckerten Stufen des Zweifamilienhauses. Myra auf der dritt-, Quenta auf der fünftuntersten. Sie feilschen um den Besitz des gefundenen Puppenmalkasten (in Wahrheit Lidschminkkästchens, das eine Parfumeriehilfe gestohlen und an einem Versteck ihrer metzgernden Freundin zum Austausch gegen Landwurstwaren hinterlegt hat). Malt man damit Puppenkleider an?, fragt Myra. Nein, Puppen und Puppenzimmer, sagt Quenta. Aber man kann doch Puppen nicht blau anmalen und grün, wo willst du Puppen blau und grün anmalen?, fragt Myra. Red nicht so dumm, sagt Quenta, gib ihn mir, ich seh, du bist zu blöd, damit umzugehen. Nein, aber sag wirklich!, sagt Myra. Au, sagt Myra, weil Quenta ihr das Kästchen aus den Fingern gedreht hat. Nun liegt es offen auf der frischbemörtelten Stufe, hat im Blaufett eine Schramme, im Grünfett einen Aushub, im Silber einen feinen Riß, vom Überschlagen auf zwei Stufen, und nun tritt Myra es zu Plastikschrott und Baatz, aber die Farbe geht in die Oberfläche des frischen Mörtels ein und versöhnt die beiden Zehnjährigen zu einem pastellbewundernden Pastellmädchenpaar.
Malkasten 2
Malkasten 1
Das vertrackte Lied von der Elate Yërond (Städtchen 2) schwindet nicht aus der Straße, bleibt wie ein Produkt des drückenden Sonnenscheins und des Staubs in Menschenhöhe schweben, nur die Hausnähen wechselnd. Jetzt ist die Tabakbude dran, und man will nicht von hier grad die Pfeife und hat noch Zigaretten und hat noch im Feuerzeug Feuer, also — aber da liegt ja mitten im Raucherkram ein Malkasten! Blech, schofel, höchstens zweimal fünf Knöpfe, aber Malkasten der Kindheit. A. hört noch das Deckelhebklappern. Wenn Wasser durch die Farben durchfließt, entsteht — wie aus den süßschmeckenden Taubächen quer durch die Wiesen im Frühling — die Welt, die zweite, viel interessantere Welt. Froh strich Alphard Mutz um die Auslagenscheibe, unversehens hatte dieses Stück Nest einen Sinn bekommen, mehr, als wären drei nachtbeleuchtete Spielautomaten in den grellweißen Sonnentagsstaub hingestellt worden.
Malkasten 3
Der Häftling war glücklich, daß er nach all den Jahren langweiliger Schrauben und Rasierklingen nun endlich einen Malkasten essen konnte. Wie dankten seine Schlund- und Magenaugen der geliebten Rosina, die es ermöglicht hatte, für das farbenfrohe leuchtende schmierige Möglichkeitenspiel.