Schwangere 2

Ein Konzil wurde einberufen, träumte sie; die Linkspriester stellten lauter 20jährige Kardinäle auf, die Kurie wurde umfunktioniert, der Papst trat zurück, und der neue Generalsekretär (wie er sich nun nannte) verordnete den katholischen Ehe- und Liebespaaren ab sofort die Pille. Jeden Morgen aß Irmgard nun das rosa Kügelchen, und zu jeder Tagesstunde, wann immer sie und Erwin der Wunsch überfiel, durfte sie ihn in ihre bettwarmen Arme reißen, durften sie bis in den Traum ineinander verweilen.

Durch den Reisewecker aus dem Wunschtraum entfernt, machte Irmgard die morgendlichen ersten Orientierungsversuche und erschrak wie meistens, als sie ihren aufgepumpten Bauch vorfand. Sie hatte in Wirklichkeit Erwin schon geheiratet, und bei der Taufe würde es vielleicht eine kleine Rüge wegen des weißgewesenen Hochzeitskleides setzen. Am Nachmittag kam Erwin vom Büro (das Studium hatte er aufgegeben), schmatzte dem Kind durch Irmgard hindurch einen Kuß, klapste die Frau dann noch wie ein Pferdchen und fragte, was es denn zum Essen gäbe.

Schwangere 1

Der Wunsch, aus Fleisch wie aus einer Modelliermasse Formen entwickeln zu können (Deformation), scheint bei schwangeren Frauen erfüllt. Der Bauch, in friedlichen Zeiten eine vorgegebene Größe, gewinnt Leben und beginnt sich phantastisch aufzublähen. In die Brüste gerät Hefe. Der Mann, der zufällig Schlanke vorzieht und eine Schlanke geheiratet hat, kann jetzt an seiner Frau dicke Abenteuer erleben, ein urweltliches Mastodon liebkosen, ohne die Nachteile der Mastodonschaft ein ganzes Leben lang in Kauf nehmen zu müssen. Auch aus diesem Grund ist es ungerecht, daß Männer nicht schwanger werden können; nur unwiderruflich dick.

Schwangere 3

Sie findet es spaßig, daß das Minifähnchen einen halben Meter weit von ihr absteht, das himmelblaue Kinderhemdchen. Sie gönnt den jungen Männern den tiefen Einblick, da, schaut, was ihr anrichten könnt, und den älteren Frauen das Skandalblabla. Na, schön, bin ich ein paar Wochen jetzt zum Tierchen gemacht, Abwechslung muß sein, schaut mich nur alle wie ein Weltwunder an. Sie verlangt ein Feinwaschmittel für Wolle und etwas Pfeifenton; sie schaut dabei schon jetzt, was es auf dem Babysektor gibt. Sie gönnt es sich, jeden Freitag den roten Wuschelkopf erneuern zu lassen, der nicht zuletzt ihren Mann vervatert hat, und sie freut sich auf größere Brüste. Das Kind wird ein Löwe, rechnet sie. Und Löwen sind die Beherrscher unserer Erfolgs-Welt, erinnert sie sich. Ich bin gebärfreudig gebaut, hat mir mein Frauenarzt gesagt, tröstet sie sich, und ihr Mann und sie stimmen darin überein, daß es ein Mädchen werden sollte, weil es dann nicht zum Militär muß; wenn alles schiefgeht, zu einem weiblichen Hilfsdienst.