Er freute sich jeden Sommerabend, an dem er daheim war, auf 19.10 Uhr, denn da ging vor seinen Fenstern Anna vorüber. Er nannte sie für sich Anna, obwohl die Wahrscheinlichkeit, daß ein Mädchen Anna hieße, in dieser Zeit verschwindend klein war. Anna schien in der Küche eines nahen Wirtshauses zu arbeiten. Er war verrückt nach ihr, und viele andere waren auch verrückt nach ihr, und einer davon hatte in seiner Verrücktheit Annas Figur verändert. Anna trug zu ihrer Schwangerschaft zitronblondes Haar, ja, richtig wie die glänzende Zitronenschale, glatt und glänzendes gelbes Zitronenmetall. Das stimmte gut zu ihrer totgesonnten Haut. Sie mußte hübsch sein, wenn sie einen Kübel schwenkte oder Zwiebeln schnitt. Ob sie noch lange geldverdienen würde? Er kannte Annas Mann nicht. Er fand sie mit dem aufschwellenden Leib verrückt schön und wünschte (zumindest für die Minute von 19.10 Uhr), daß er sie so umgeformt hätte. Aber das war keine Eifersucht; er würde ohne Hemmungen dort weiterspielen, wo der andere aufgehört hat, wie am Schachtisch. Ich habe geliebt, schrie der füllige Bauch, und die Männer schauten fasziniert wie in ein Pornobuch. Ich habe geliebt, schrien ja auch die Kratzmale an den Inderinnen, und je mehr Male es waren, desto dichter hagelte es Kratzmaler.
Um 19.11 ging dann ein Dackel vorbei. Eine Schnapsidee, diese Anna, eine fremde schwangere Frau ! Und ein Küchenmädchen würde schließlich zu mir Oberrevidenten niemals passen.