Torbogen-Haus mit Durchblick auf eine jener verzichtreichen Straßen aus lauter ebenerdigen Häusern. Die Häuser sind hochgiebelig und weiß (oder bunt oder schmutzig), sie haben entweder einen schmalschmalen Gehsteig, auf dem manchmal ein fensterverrammelnder Telegraphenmast Schädel rammt, oder eine Melancholie namens Vorgartenzaun oder Zaunvorgarten. Manche Häuser verstecken innen ganze Welten, topfreiche Spielplätze von Höfen, baumreiche Grellschattengassen zu heimlichen Werkstätten hin, ein bodenlang verkitteltes Mütterchen sieht nach, ob der Rohling drin schon den Hund an die Sense angelötet hat, bei Regen wird die Städtchenstraße Gaatsch, bei noch mehr Regen schwimmen auf ihr Boote.
Wer hier wohnt, dem wächst mit ihrem Unkraut San Francisco oder jenes bretonische Parallelstädtchen allmählich zu. Auch in der Wahl von Beruf und Hausgenoß wird er mehr und mehr eingeengt, auf das wenige Vorhandene verwiesen, wie auf Gulyas und Beuschel in einer kleinen Schenke. Noch dazu sterben, gebären und verlieben-sich immer wieder Leute auf und an dieser Straße, und das gibt ihr vollends etwas Mitleidweckendes.
Kein Gegenargument die zwei einzelnen stolperloch- und telegraphenkraut-grabenden Arbeiter: der eine trotz Nacktsonne weißlich, mit sehnigen ausgemergelten blaurosa Beinen, der andere gebräunt, aber seine Röntgenwirbelsäule sticht weiß vom Hautbraun ab; und er trägt ein Silberkreuz als Halsamulett.