Häuschen 13

Im straßenoffenen Winkel eines verwinkelt gebauten Häuschens (Motive für die Freude an Verwinkelungen), in dessen markisenbeflatterten Vergnügungshof man übrigens auch hineinsah, wusch die kunstvoll aus beige Puppenmasse gegossene Ingenieursfrau das Auto. Das Jahrfünft, in dem sie wusch, gab ihr gerade die richtige Vollreife. Aus sextechnischen Gründen trug sie ihren von den Tatsachen überrollten Bikini und stopfte das bißchen Überschuß gelegentlich zurück oder nicht. Im Vergnügungshof rotblaute auch die Hollywoodschaukel, auf der das Ehepaar in diesem Jahrfünft sich gern schaukeln fühlte. Der Mann, genaues Messen und Wägen gewohnt, maß und wog mit Skalenhänden gelegentlich die bikiniverpackten Schaukelfleischchen seiner Liebstgewesenen und befand kein mene tekel upharsin. Und die Frau, in dem Städtchen nicht reizüberflutet, blieb dem Mess- und Wägenden lange gewogen. Dem Ingenieur tat es oft leid, daß er kein Maß für Frauenschönheit wußte, die vielen Kennzahlen für Nasenlänge, Augenabstand, Brustschwere, Schenkeldurchmesser etcetc ergaben auch im Computer seiner Firma kein brauchbares Monom. Die Ingenieursfrau hatte ein großflächiges gut liebkosbares Gesicht. Dessen Fehler, aber nur nach der herkömmlichen Pisthetik, bestanden in Knopfnase, dickem Augenbett, unbestimmtem nun langsam sich verdoppelndem Kinn. Die Augen selbst waren sehr hell. Dem Gesicht angehörten: eine stete Belustigung, ein häufiges Gähnen, ein in jeder Lage kunstvoll anfrisiertes Semmelblond, Freundlichkeit daheim und zu Gästen, rote Schminke auf den Wangen und ein Pflästerchen beim Mund, beides sogar dem Schwimmen oder Autowaschen standhaltend. Der weiche geübte Ehefrauenmund wäre schön als dicker Tropfen in Plastikspielzeugrot gewesen, aber sie verkannte ihn und kalkte ihn zu.

Der Ingenieur konnte seine Frau gut ausstehen. Diese Frau, dachte er zB, könnte sogar forellenblaue Hautmetallisation oder die Pariser Schockglatze wagen, in vier Quadranten alternierend blau und rot gelackt. Er neigte zu innenarchitektonischer Weltbetrachtung. Seine erste Frau hatte er, noch in der Beiwagenmaschine, beim Kurven an einem Felsen zerrieben. Sie erschien ihm manchmal. Werden Sie sich keine Kinder anschaffen?, fragten Neugierige ab und zu das Ingenieurpaar, das abends gern rot-blau strickend beisammensaß. Schauen Sie, kalkulierte der Ingenieur: 7.000.— Schilling Entbindung, 3 Wochen Spital je 1.200.— Schilling pro Tag, macht rund 30.000.— Schilling, dafür können Sie sich schon drei ordentliche Begräbnisse leisten. Sie waren muntere Leute. Manchmal hängten sie ein Schild an ihre Vorgartentür: Affe Entlaufen, manchmal eines an den Swimming-Pool: Wegen Krokodilmangels geschlossen.