Pfahlhäuser 8

In diesem Pfahlhäuschen sind jetzt gerade junge Menschen drin; sie schwimmen also nicht, sondern tapezieren ein Zimmerchen mit Mickimaus, Mecki und den Rolling Stones. Sie werden einander hier und heute vernaschen, bei einem gewerkschaftlich empfohlenen Batterieplattenspieler und schwachgekühltem picksüßem Fruchtentfrischungsgetränk, in voller Kleidung und Aufmachung um 18 Uhr, bei leicht aufkommendem Südwind. Sie haben es leicht, sich zu küssen, denn sie schmecken nach dem gleichen preiswerten Schokoriegel. Ihm gefällt ihr orange Superminikleid und der dazu passende Girl-Lippenstift, ihr gefällt seine stoßsichere goldfarbene Armbanduhr, er ist damit sehr pünktlich; ihnen gefällt das Sich-Lieben bei Wasserwind, ein wenig Mücken, aber plötzlich dreht ihre Sehnsucht magenzerknetend in jenes Stadthotel, wo alles viel schwieriger war.

Pfahlhäuser 7

Die Bewohner der buntgemaIten Häuser haben es leicht, wenn sie Sprudeldynamisches sehen wollen. Sie brauchen hierzu nicht das Werbefernsehen abzuwarten, sondern nur zu einer ganz nahen Flüßchenmündung zu rennen, sich, ihr Baby, ihren Hund hineinzuwerfen oder auch zuzuschauen, wie es allein oder mit ein bißchen Eisenzeug sprudelt. Es gibt dort viel feinverteilte Luft, und hydrodynamische Konstanten und Variable wirbeln leicht fangbar im Nimbus über dem Wasser. Kein Wunder, daß alle, besonders die lichtblauen Physikerinnen, wie Mücken übermütig werden. Unschätzbarer Vorteil der Pfahlhäuser.

Pfahlhäuser 9

Hier zwischen den rot, blau, gelben Häuschen, inmitten Transistoren und hingegrätschten Speckfrauen, pinseltriefenden Dispersionslackfetischisten und buntparfumierten perpetuis mobilibus des Eislutscherverbrauchs beginnt schon das Wasservergnügen, hinter Guckbüschen teilgetarnt, abgesondert vom Fluß, auf kleinen befahrbaren Pfützen. Auf Bug- und Heckkisten sitzend, rohen Plankenboden anschauen, Segel reffen und vom eingefangenen Wind gegen das Wasser gekippt werden, als Wildbub in einem der kleinen Emailkanus schnellen, als weißlich-sehniger Altherr in blauem Leibchen und weißen Shorts auf Anlegeplanken treten, hohles Holzgeräusch machen, schwanken, an den Füßen getauft werden Bootsfestigkeit gründlich prüfen, als braunverbrannter kahler Mann mit Grinsekinn lange strohgelbe Ruder in blauen Gabeldollen hebeln lassen, damit Mückenwasser um das weiße schi-schmale Boot gurgle, den Blick auf uns Fluß-Plebejer draußen, auf die abgestellten blauverplachten Weißboote am Flußeingang, auf die grasenden Autos mit Booten als Kopflast: lafettierten V-Raketen, lafettierten gelbgelben Bananen; Fischkühle und Entensonne reiten.