Pfahlhäuser 9

Hier zwischen den rot, blau, gelben Häuschen, inmitten Transistoren und hingegrätschten Speckfrauen, pinseltriefenden Dispersionslackfetischisten und buntparfumierten perpetuis mobilibus des Eislutscherverbrauchs beginnt schon das Wasservergnügen, hinter Guckbüschen teilgetarnt, abgesondert vom Fluß, auf kleinen befahrbaren Pfützen. Auf Bug- und Heckkisten sitzend, rohen Plankenboden anschauen, Segel reffen und vom eingefangenen Wind gegen das Wasser gekippt werden, als Wildbub in einem der kleinen Emailkanus schnellen, als weißlich-sehniger Altherr in blauem Leibchen und weißen Shorts auf Anlegeplanken treten, hohles Holzgeräusch machen, schwanken, an den Füßen getauft werden Bootsfestigkeit gründlich prüfen, als braunverbrannter kahler Mann mit Grinsekinn lange strohgelbe Ruder in blauen Gabeldollen hebeln lassen, damit Mückenwasser um das weiße schi-schmale Boot gurgle, den Blick auf uns Fluß-Plebejer draußen, auf die abgestellten blauverplachten Weißboote am Flußeingang, auf die grasenden Autos mit Booten als Kopflast: lafettierten V-Raketen, lafettierten gelbgelben Bananen; Fischkühle und Entensonne reiten.

Pfahlhäuser 8

In diesem Pfahlhäuschen sind jetzt gerade junge Menschen drin; sie schwimmen also nicht, sondern tapezieren ein Zimmerchen mit Mickimaus, Mecki und den Rolling Stones. Sie werden einander hier und heute vernaschen, bei einem gewerkschaftlich empfohlenen Batterieplattenspieler und schwachgekühltem picksüßem Fruchtentfrischungsgetränk, in voller Kleidung und Aufmachung um 18 Uhr, bei leicht aufkommendem Südwind. Sie haben es leicht, sich zu küssen, denn sie schmecken nach dem gleichen preiswerten Schokoriegel. Ihm gefällt ihr orange Superminikleid und der dazu passende Girl-Lippenstift, ihr gefällt seine stoßsichere goldfarbene Armbanduhr, er ist damit sehr pünktlich; ihnen gefällt das Sich-Lieben bei Wasserwind, ein wenig Mücken, aber plötzlich dreht ihre Sehnsucht magenzerknetend in jenes Stadthotel, wo alles viel schwieriger war.

Pfahlhäuser 10

Gleich einige bunte und besonnte Clubs formieren sich auskreisend an einer leeren Stelle und bilden plötzlich einen Platz. Alles ist niedrig und eng beisammen, also in allen Dimensionen auch Kindern erreichbar, von Kindern durchtollbare, Kinder einhüllende Welt. Sie sind in der Kleinstadt der Kindheit, sehen im sonnenfarbenen, aber bunten Licht das weiße Emailschild des Notars, ganz groß Notar und die Dienststunden, lernen, was Hecken sind, und haben nach einigen Gängen durch vegetabile Mäander, immer noch auf dem Platz, auf dem unverlierbaren Platz, einen Spritzschlauch der örtlichen Feuerwehr in der Hand; es wetterleuchtet ihnen, was es heißt, einem ländlichen Verein anzugehören; sie lesen als 15jährige plötzlich eine Humoreske vom Eingegrabenwerden, erkennen die Friedhofswege und -hecken in einem lustigen Film wieder, sind die einzigen, die jahrelang über diesen Film traurig sind, trotz dem nahenden mädchenförmigen Mädchen, und stecken plötzlich fünfjährig im Auto des Vaters, der bei dem Notar eine Erbschaftsangelegenheit zu besorgen hatte. Das Auto hupt mit der großen Gummihupe und springt, Kind bei Vater, aus dem handlichen kinderzimmergroßen Umkreis, dem Kleinststadtplatz, davon.