Der Fisch, durch die Farbe und das Aussehen des Köders angelockt, nähert sich, steigt hoch, öffnet sein Maul und wird von einem Haken gehalten. Sein Festmahl wird traurig sein, weil er ein Gefangener ist. (Claudius Aelianus, 200 n. Chr.)
... Da sah ich einen prächtigen Käse vor mir, roch sein Anisöl (Fischer 8) und wußte aus dem Elementarunterricht, daß es hier etwas zu erjagen gäbe. Wie staunte ich (entschuldigen Sie, daß ich zutzle, aber mein ganzer Gaumen ist zerfetzt), als der Käse beim Schlucken Widerstand leistete. Er hatte einen Fortsatz aus Metall — ich schlage vor, daß unser Technologisches Institut dieses Phänomen untersucht. Ich wollte das Metall ausspucken, aber es spreizte sich in meinem Mund so ungeschickt, daß ich es nicht hinausbekam. Ich versuchte mit meinem Schwanz zu schlagen, aber das Ding lockerte sich nicht, im Gegenteil, es tat jetzt richtig spitz weh. Kaum hatte ich um mich geschlagen, riß jemand von oben an dem Käse, sicher ein braves Tier, das mich befreien wollte, aber der Metallteil ging beim Rausziehen merkwürdigerweise nicht hinaus, sondern ganz tief herein. Plötzlich schrie ich im höchsten Ultraschall auf, denn nun bearbeiteten meinen Mund bis in den Schlund hinein unzählig Scheren (Fischer 7). Ich spuckte ganze Teile meines Körpers aus und sah gelbe, grüne und blaue Sterne. In diesem Delirium sank das Wasser meiner gewohnten Tiefenschicht rapid gegen den Donaugrund zu, und mit einem Mal war das Wasser überhaupt weg, es war schauerlich atemleer und blau, bunte Flecken flogen auf mich zu, und als sie mich erreicht hatten, knallten sie an mich; ein Tier oben nannte diese Flecken »Erde« und »Gras«. Ich spuckte Blut, die Augen quollen mir aus den Höhlen, weil ich nichts in den Kiemen hatte, und hörte unverständliches Leiern einer zarteren Stimme: »Man drehe das abgehäutete junge Fischlein rund zusammen, stecke ihm das Schweifende in das Maul und befestige es mit einer Dressiernadel, lege es auf Zwiebelscheiben in eine flache Kasserolle ...« Dann maß mich das erste Tier und stellte fest, daß ich nicht die polizeiliche Länge hatte (Fischer 3). Es drückte mir seine Fingernägel tief in die empfindlichste Stelle, holte aus, und plötzlich flog wieder das Wasser auf mich zu. Sie müssen, wie gesagt, entschuldigen, daß ich zutzle, aber es war eben ein entsetzliches Abenteuer. Daß sich die Mädchen seither um mich reißen, ist, offen gestanden, nur ein kleines Trostpflaster.