In der ersten Nacht nach dem Aufscheinen Susis, ohne Hoffnung auf Wiederkehr des Phänomens, lag der Schüler J. noch etwas wach, die Möglichkeiten abweisend, die sich kitschig anboten: zu weinen; zu stöhnen »Gott, Gott ...«; zu denken »ich fasse es nicht«; zu schimpfen und dergleichen. Am reinlichsten kam ihm Still-Liegen vor, ohne aktives Denken, ohne diese Bauchpresse des Gehirns. Wenn er still-lag, kamen ohnehin die richtigen Gedanken über ihn. Heute ja. Heute lag er im Säurebad und mußte, um bis zu den Knochen aufgelöst zu werden, gar nicht planschen und sich einreiben. Er wünschte sich, daß das immer so bliebe, daß das erste, noch authentische Susibild, das die Gespräche und Bewegungen der echten Susi noch ein Stück automatisch fortzusetzen imstande war (so wie ein geköpftes Huhn noch etwas weiterrennt), immer bestände. Er wußte aber, daß dies nicht möglich war, und genoß das unverdienbare Privileg der heutigen, einzigen Nacht, die je einer echten Susinacht vergleichbar sein würde. Schon erwartete er die Schmarotzgesichter, die jedes Susibild überwuchern, zerstören.
Susi 3
Susi 2
Es gibt Orte, die geeignet, und Orte, die ungeeignet sind. Stunden, geeignete und ungeeignete. Randfiguren, geeignete und ungeeignete. Temperaturen, Gespräche, Kleidfarben, geeignete und ungeeignete. So kompliziert ist die Welt geworden, seit J. Susi liebt. Diese Bedeutung des Zufalls für das Gelingen von etwas so Unzufälligem wie Liebe wird J. auch als Erwachsener nie verstehen. Später bleiben die Leute trotz Amputation, Arbeitslosigkeit, Zuchthausstrafen beisammen, heute entscheidet noch eine dünne ausflugverhindernde Wolkendecke über Susi und ihn.
Susi 4
Der Schüler J. (Susi 3) sparte sich das nochmalige Erzählen von Susis Reizen nächsten Morgens auf die nächste, die übernächste Stunde, den Nachmittag auf, weil er wußte, daß es nach diesem Erzählen kein nächstes geben würde oder, wahrscheinlicher, doch, aber das dritte Erzählen würde das Thema schon ramponieren: es waren auf die Dauer zu wenig Details, nichts Neues wuchs nach.