Encore Edibelbek fand sich als Soldat irgendeines Krieges im Spiel auf der Ödstätte wieder. Das Spiel war anders verlaufen, als die Generalität es im Sandkasten kalkuliert hatte. Ihm rann Blut der Gruppe A aus dem abgetrennten Bein, und er sah interessiert dem Verfließen der Flüssigkeit in die beige Ödstättenerde zu. Das Rot verlor sich dort fast, neben dem abgekniffenen Bleirohr-Ende; wäre Wasser ausgeschüttet worden, wäre die Abdunkelung des Flecks kaum anders verlaufen. Hokuspokus, sagte Edibelbek zu seinem Blut, werde Wasser. Er lachte über die Einfachheit chemischer Umsetzungen. Ein ganz hübscher, keineswegs unappetitlicher oder schauerlicher Käfer kitzelte ihn durch Saugen an der Schnittfläche, aber Edibelbek spürte das mangels Nervenleitungen nicht. Mahlzeit!, wünschte er dem Käferchen; daß Leute in meiner Lage beten oder Wünsche nach einem letzten Familientreffen haben, ist also ein Lesebuchmärchen. Heil X!, grüßte er seinen verlierenden Staatsmann, für den er am Sterben war. Er spuckte. Edibelbek bemühte sich stark, das Geflecht holzigen Unkrauts auf der Ödstättenfläche zu entwirren. Jetzt ruhen irgendwo Bäuerinnen (reagierte er auf sonn- und schatten-dialektisches Gras), jetzt bereiten sie irgendwo Maisbrei. Jetzt sterben (ein friedenszeitlicher Pneu-Rest verwitterte im Wildkies) Leute unvergleichlich gequälter im schweren Heizöl (Masut) des Flammenwerferstrahls. Ich war ein Glückspilz. Über den Sinn des Geflechts vermochte er nicht klarzuwerden. Ins Gras beißen, lachte er. Er versuchte das, es gelang, schmeckte nicht interessant. Es erfrischte ein wenig. Holzkreuzchen; für Freiheit, Volk oder sonst einen austauschbaren Begriff.
Ödstätten 3
Ödstätten 2
Man geht aus den Städtchenhausgäßchen (den staubigen, zugigen, brausepulvrigen) zweimal links, einmal rechts, passiert einen Durchgang und ist an der Ödstätte. Hier überwältigt die Sonne. Städtchenkinder, die hier spielen, werden abgeschafft und als Ödstättenkinder neugeschaffen. Ödstättenkinder haben keine Mutter und keinen Vater mehr, haben nur die Ödstätte, erst die Hungeruhr werkelt sie dem AbenteuerEnde entgegen, sie sterben und werden als Mittagstischkinder wiedergeschaffen. Dann, wenn die Erwachsenen rülpsen und schnurren, verdampfen die Kinder in die Ödstätte und werden als Ödstättenkinder mächtig bis zum Abend. Sie schmecken nach Botanik, Maulwurf, Bittersaft, Steinschlecken, Kratzwunden, Indianerehre und haben Finger aus Hundekot. Dann erschrecken sie, weil die Sonne schon zu weit unten ist und ihre Eltern noch prügeln. Sie sterben und werden als Heulkinder neugeschaffen, die Zorn für vierzig Jahre mit Löffeln in den dampfblasenden Maisbrei hineinstampfen.
Ödstätten 4
Freu dich, Hund, sagt der Pensionist zu seinem Hund, wir gehen auf die Ödstätte, abrichten. Wir gehen vorbei an der kleinen Seifenfabrik, wo die Portiershündin, deine Freundin Myra, angekettet bellt, mein Arm ist ganz Peitsche, mein Bein ganz Stock, mein Mund ganz Pfeife, sei ganz Ohr! Schau, ein toter Frosch. Pfui, nicht in den Mund nehmen! Da, ein alter Faltkarton, tuj, tuj, hols Apportl, huj! Watta, nichts für dich, pfui, gehst weg! Gibs Pfoti. Brav. Tüchtig. Stocki holen, tuj, rrrenn! Fffff(ü)! Der Pensionist kriegt einen Hustenanfall. Er grüßt andere Ödstättenhundepensionisten und andere Abrichter, stolpert Ziegel, riecht Fischwasser, spuckt Glasschutt. Der zottige schwarze bellt wie aus einem gefüllten Sack. Abwärtsjaulen. Ein auchzottiger Setter, seine Haarspitzen wie in Asphaltöl getunkt, ein ganzes Zwölfendergeweih aus wassergeschältem Holz trägt er keuchend im rinnenden Maul. Ein alter Mann wiegt einen schmutzigweißen Bobby im Arm. Auf Ödstätten beißen Hunde in den Schwanz, in die Leine. Oder sie laufen