Immer dichteres Brenzeln führt uns an den rußenden Scheiterhaufen. Die orangeroten Flammen sind gegen das Sonnhimmelblau kaum sichtbar, aber die Wärme ist verdammt. Der stoffige Geruch der brennenden und schwelenden Matratze. Eine Art Witwenverbrennung. (Der Eigentümer stinkt unterm frischausgehobenen Lehm des örtlichen Friedhofs.) Zwiebelschalenrosa Plastiksäcke von Kunstdünger flammen mit. So wie in der Hölle: niemand löscht. Ofenboden: überwachsener Steingrund. Akteure und Zuschauer sind: Alte Zeitungen, ausgebrochene Kachelofentüren, Autoreifen, Bauschutt, Blechrohre (von Vögeln weiß und braun angekotet), Bleirohr, Bubendreck, Einsiedegläser, Faltkartone, Fauteuils, Kanister, Kondens-Topf, Konservenblech, Mädchendreck, Mädchenwatte, Näh-Restchen, Plastikflaschen (Opfer der Lost-Package-Weltanschauung), Portlandzementsäcke, Schlacke, Schlauchstücke, Stahlband, Stahlfedern, zerbeultes und rinnendes Blechgeschirr, zerbrochene Fliesen und Kacheln, Ziegel, Zigarettenpackungen.
Ödstätten 5
Ödstätten 4
Freu dich, Hund, sagt der Pensionist zu seinem Hund, wir gehen auf die Ödstätte, abrichten. Wir gehen vorbei an der kleinen Seifenfabrik, wo die Portiershündin, deine Freundin Myra, angekettet bellt, mein Arm ist ganz Peitsche, mein Bein ganz Stock, mein Mund ganz Pfeife, sei ganz Ohr! Schau, ein toter Frosch. Pfui, nicht in den Mund nehmen! Da, ein alter Faltkarton, tuj, tuj, hols Apportl, huj! Watta, nichts für dich, pfui, gehst weg! Gibs Pfoti. Brav. Tüchtig. Stocki holen, tuj, rrrenn! Fffff(ü)! Der Pensionist kriegt einen Hustenanfall. Er grüßt andere Ödstättenhundepensionisten und andere Abrichter, stolpert Ziegel, riecht Fischwasser, spuckt Glasschutt. Der zottige schwarze bellt wie aus einem gefüllten Sack. Abwärtsjaulen. Ein auchzottiger Setter, seine Haarspitzen wie in Asphaltöl getunkt, ein ganzes Zwölfendergeweih aus wassergeschältem Holz trägt er keuchend im rinnenden Maul. Ein alter Mann wiegt einen schmutzigweißen Bobby im Arm. Auf Ödstätten beißen Hunde in den Schwanz, in die Leine. Oder sie laufen
Ödstätten 6
Ödstätte. Hat eine Stadt noch diese große Unbekannte? Das Ungeplante dieses Barbarenparks, das Un(oder Höchst-)Geometrische für komplizierte Kinder- und Hundespiele? Was man dort alles finden und erleben kann, lohnt Schulschwänzprügel, Schlangenbiß und Fußzerscherbung. Werft einander nur in die mannshohen Brennesseln, die unkontrollierten, vielleicht zimmertiefen Ameisenhaufen, die Tausendfüßlerkasernen, dornt, wespt und distelt einander im Heulen eurer Schutzengel zu. Saugt, wenn ihr Mädchen und Bub seid, einander erste Wunden, zerreißt einander erstmals Hemd und Röckchen, klebt die Wut eurer Eltern auf eure neuerliebte Haut wie schmerzendes Senfölpflaster. Schleppt, wenn ihr Tagdiebe seid, zerschlitzte Matratzen oder geschundene Autositze in die Laube aus verlaustem verfitztem Gebüsch und schlaft dort den Hungerschlaf, ungeschoren von Polizisten; wenn Nachtschlangen kommen, pfeift sie mit Lungenfaul weg. Stehlt verstreute Hühner, am besten jener absurden Rasse, die alle Hühnerfarben scheckig auf sich trägt. Raschelt, wenn ihr Selbstmörder seid und der Werkbahnzug eure Guillotine ist, recht leise im Busch, aus dem ihr unvermittelt auf das blanke Gleis hinstürzt; so werden die zwei schweren Linksräder der Lok und dann noch 16 andere Rädchen, beschwert mit Kies, Zement oder Hartholz, euch gnadenlos teilen.