J. spricht auf Barbara ein, die neuerdings durch das Treffen einer leidigen Freundin den Schlankheitsfimmel hat. Für Barbara ist »Man kann doch nicht« ein bindendes Diktat. Barbara lebt in diesen Tagen nur von Tee, Zwieback, sauren Äpfeln und verschiedenfarbigem Yoghurt. »Daß du Yoghurt ißt, muß mich naturgemäß freuen«, lügt er, »denn das gibt mir die Gewißheit, daß ich dich noch hundert Jahre habe; aber quäl dich im übrigen nicht so ab, iß wieder, was dir Spaß macht, du wirst ja wieder bei viel besserer Laune sein.« »Schrecklich ist das Fasten«, bestätigt Barbara. »Sei doch nicht so dumm«, sagt J., »für wen brauchst du das? Mir gefällst du so, wie du bist.«
Er denkt an das Profil ihres Bauches, zB in lindgrünem noppigem Kleid. Er liebt dieses Profil, das das Unwahrscheinliche des Umfangs in das augenfälligere Unwahrscheinlich von Breite umsetzt. Wenn sie so, Profil gegen Profil, neben einer Durchschnittsfrau steht, nimmt es ihm erst so richtig den Atem. Er liebt das Radikale, Definitive solcher Deformation. Die unförmig Dicke ist magisch wie ein Tätowierter, der in der üblichen Gesellschaft nicht mehr zu gebrauchen ist, aber seiner Geliebten ein Fest der Körperaufschließung bietet.
J. möchte Barbaras Unförmigkeit hegen, ja, züchten: seine eigene Lustbarkeit vorbereiten, wie die Rudrabhatta-Inder, die die Geliebtenbrüste selbst zu bemalen pflegten. Er fühlt sich als Pop-Bildhauer, der mit Mehlspeisen Geliebtenfleisch hochmodelliert. »Weißt du, was?«, sagt er; »ich bring dir heut abend drei echte dicke Topfenkolatschen mit, die mußt du auf anen Sitz aufessen.« »Unmensch!«, schreit Barbara. J. will sie packen und küssen, aber Barbara muß schon wieder auf die Toilette.