Perspektiven 7

J. bereitet Barbaras Abbau vor. Er empfiehlt sie dem Forscherdrang eines ehrgeizigen Laborchefvertreters von Dvořak & Co, der über Menschen, die er konsumiert, ein ähnliches Protokollheft führt wie über Ammoniumbasen, die er verarbeitet. Erotik der Schwergewichtsklasse dürfte ihm ein willkommenes Novum werden. Schon spitzt der Forscher seinen Extraharten und rastriert sein Heft.

21. 9.
Barbara nach Konferenz mit ihr und J. in Ordnung übernommen. Erste Beobachtung: Die unexakte Stelle zwischen Rock und Bluse, wo die Unterwäsche hervorlugt, bei dicken Frauen besonders ansehnlich; Barbaras nervöses Ziehen dort.
21. — 29. 9.
Die Standardversuche an Barbara und mir. Besonders gut reagiere ich auf ihren Bettbikini mit großen roten Mohnblumen (Wellenlänge maßgeblich?), den noch J. ihr gekauft hat. Gegen Ende der Serie an mir, nicht jedoch an Barbara Inkontinenzerscheinungen.
30. 9.
Versuchspause. Ich kann Barbara im Moment nicht sehen. (Nachtrag: Dies bedeutet nicht Augenschwäche, sondern eine Unwillensäußerung.)
1. 10.
An Dicken fällt das Kleinbleiben des Kopfes, manchmal auch der Brüste, auf. Die Intimteile bleiben It. Fachliteratur unverändert, wirken also relativ klein. Barbara ist hingegen in jeder Hinsicht kolossal.
2. 10.
Besondere Versuche an Barbara und mir. (L.P., S.121 ff., S. 201.)
3. 10.
Aus einem Satz erkannte ich: Barbara ist ein Mensch (homo sapiens). Merkwürdiger Gedanke, daß sie über mich ebenso ein Protokollheft führen könnte.
4. 10.
Sie beruhigte mich, sie sei nicht gescheit. — Das stets Laszive von schulterfreien Kleidern: zwischen hellerem Brustansatz und dunklerem Arm die dickliche Nische — bei dicken Frauen vom Wuchs Barbaras geradezu primärsignalhafte Nacktheit.
5. 10
Wenn ich ihre breiten Kostümhüften umspanne, ist es für mich ein lusteffektives Längenmaß, für die verständnis- lose Besitzerin des Körperteiles ist das Umspannte einfach die Einheit »Gesäß«. (Nachtrag 6.10.: Fehlbeobachtung. Auch B. zeigte Vergnügen.)
6.10.
Dicke Menschen haben ganze Körperteile zusätzlich: etwa die Magen-, die Rückenwurst etc. — Idee zur exakten Erfassung: Das Dreieck, das von Kopf und den beiden Hüften der Sitzenden gebildet wird, als Maß der weiblichen Dicke.
7.10.
Der Reiz prallen Eingenähtseins: die geballte Ladung festen Fleisches. Dynamisierung des Statischen. E = mc2.
8.10.
Vorgestern bis heute drei Routineversuche zur Feststellung der Erregungs-Per- und -Transpiration. Aus gedehntes Vorspiel a) im Kostüm, b) im Kleid. Barbaras wienerisch gefärbter Terminus, sie müsse ihr Kleid morgen aus waschen (recte: waschen), traf das Richtige; die Wienerinnen finden anscheinend, daß Kleidung und Wäsche nicht flächenhaft schweißverschmutzt, sondern geradezu dreidimensionale Behälter für Schweiß sind, die man dann und wann ausleert und ausspült.
9.10.
Mischte im Anschluß an die letzte Versuchsserie eine Reihe von Terpen-Duftstoffen mit Barbaras natürlichen Capryl-, Capron- und Caprinsäurederivaten. Verspreche mir von der Variation mit blumig-fruchtigen Duftstoffen stärker emotionalisierende Wirkung.
10.10.
Barbara sagte, ich sollte sie doch einmal kneifen oder verprügeln. Sie macht sich aber offenbar nur über mein methodisches Vorgehen lustig.
11. 10.
Die Verspottung der Fettleibigkeit ist meiner Hypothese nach ein Schutzwall gegen die übermächtige Flut von Erotik, die von dicken Frauen ausgeht. Ich bin J. für die Anregung, Versuche mit Barbara und mir anzustellen, dankbar.
12.10.
Barbara erwartet sich von einem Mann Aggressionen. Damit sie Ruhe gebe, betupfte ich sie mit einem Tropfen Kalilauge, neutralisierte sie aber recht bald mit Essigsäure.
13.10.
Barbara ist bereit, auf meine Aggressionen zu verzichten. Sie gesteht, seit sie mit mir experimentiert, keine »Pille« mehr zu nehmen, denn ich sei der erste Mann, mit dem sie sich ein Kind wünsche. — Verlagerung meiner Wißbegierde auf mein eigenes Verhalten. Gott mit euch, denkt J. abschließend.