Städtchen 3

Ein Städtchen, das vexiert. Man watet an Land, schlägt die Büsche auseinander, um die Häuschen zu entblättern, findet auch richtig eine Kuppel kunstvoll aufgeschichteten Holzes, ärgert sich ökonomesk über das Zeitverschwenderische solcher Aufschichtkunst, sieht das Weiß einer Hausmauer aufleuchten, schließt von Efeu auf Winkelwerk (Motive für die Freude an Verwinkelungen), gerät aber so winkelab, daß ein Flüßchen da ist, ein weit zugewuchertes gerades, niemand ist da für die Frage, ob es denn hier Grachten gebe, solche Flüsse gibt es ja sonst nur an der Rückseite von Cafékonditoreien, man geht eine unbenamte unbebaute lange verwilderte Flußpromenade entlang, da und dort ragen Schwemmbretter in den Fluß, jetzt ein wäscheschwemmendes maulfaules blaues Sechsjähriges sehen oder doch wenigstens eine ausgefreute blaugraue Frau, eine schnappige, mit kantiggewordenem mannshartem Pflichtgesäß, um sie zumindest fragen zu können, wie man wieder zum Schiff komme, denn auch zurück wuchert nur das zugewucherte Flüßchen und die verwilderte Flußpromenade, soweit der Blick reicht, und man wird nun langsam müd und blattsaftgegerbt. Da fragt man einen Baum, doch der rät nur, die Österreichische Volkspartei zu wählen. Man setzt sich, geradewegs in die zuschnappende Futterfalle der zehntausend Ohrenschlüpfer, und sieht gerade noch durch die bisher mißachtete Baumreihe eine Straße, sogar die Hauptstraße des gesuchten Städtchens, blenden und hört das entrauschende Schiff hoffnungslos fern tuten.