Städtchen 4

Häuser. Nein: abgeschlagene alte Bauernhöfe oder Schmieden. Häuser. Nein: Häuser mit einem Stück Straße. Straße. Nein: Straße, stadtplatzwärts oder auf einen Hügel führend. Straße, ansteigend, oder Straße, hinter ein Haus biegend. An ihrem Zielpunkt liegt Pihnliches wie das, was wir sehen. Nein: Wenn man sie geht, ist man dann ganz wo anders. Freude an der zusätzlichen Dimension, dem Landeinwärts? Freizügigkeit im Möglichkeitenland? Oder Romantikercredo »dort, wo du nicht bist, ist das Glück«?

Bauernhäuser. Nein: Bauernhäuser mit Gelegenheit, einzudringen. Kirche. Nein: gelbes Kirchlein, wo einem Kind Langweile und Ohnmacht geschieht. Gasthaus. Noch ein Gasthaus. Nein: die zwei Gasthausschicksale des Ortes. Man zerlöse in Kraftlinien:

Verschiedene Häuser-Lagen

Radfahrerin

Zum Trocknen aufgeleinte Wäsche Blochlager

Pavillon + undefinierbare Zweckhäuschen im Garten

Flüßchenmündung mit Autos und Booten

Kamillenstrand mit Kindern in kleinem Boot Arkadenrathäuschen

Winkende Schulklasse.

Die Kraft der Linien prüfe man an der Heftigkeit des in Städtchen 1 besprochenen ambivalenten KommunikationsSchmerzes (siehe auch F-Erlebnis).

Städtchen 3

Ein Städtchen, das vexiert. Man watet an Land, schlägt die Büsche auseinander, um die Häuschen zu entblättern, findet auch richtig eine Kuppel kunstvoll aufgeschichteten Holzes, ärgert sich ökonomesk über das Zeitverschwenderische solcher Aufschichtkunst, sieht das Weiß einer Hausmauer aufleuchten, schließt von Efeu auf Winkelwerk (Motive für die Freude an Verwinkelungen), gerät aber so winkelab, daß ein Flüßchen da ist, ein weit zugewuchertes gerades, niemand ist da für die Frage, ob es denn hier Grachten gebe, solche Flüsse gibt es ja sonst nur an der Rückseite von Cafékonditoreien, man geht eine unbenamte unbebaute lange verwilderte Flußpromenade entlang, da und dort ragen Schwemmbretter in den Fluß, jetzt ein wäscheschwemmendes maulfaules blaues Sechsjähriges sehen oder doch wenigstens eine ausgefreute blaugraue Frau, eine schnappige, mit kantiggewordenem mannshartem Pflichtgesäß, um sie zumindest fragen zu können, wie man wieder zum Schiff komme, denn auch zurück wuchert nur das zugewucherte Flüßchen und die verwilderte Flußpromenade, soweit der Blick reicht, und man wird nun langsam müd und blattsaftgegerbt. Da fragt man einen Baum, doch der rät nur, die Österreichische Volkspartei zu wählen. Man setzt sich, geradewegs in die zuschnappende Futterfalle der zehntausend Ohrenschlüpfer, und sieht gerade noch durch die bisher mißachtete Baumreihe eine Straße, sogar die Hauptstraße des gesuchten Städtchens, blenden und hört das entrauschende Schiff hoffnungslos fern tuten.

Städtchen 5

Die Kleinstadt hat einen Ostvorort und einen Westvorort. Im Ostvorort liegt ein verwilderter Altlandhausgarten. Im Farnkraut, für das der stetige Wind gesorgt hat, sitzt Encore Edibelbek auf einem Stein und singt zur Ziehharmonika: