Ja, wir sehen einen Anlegesteg, grüne (!) Büsche, braune (!) Baumstämme und ein weißes Haus, erdigen Boden, Fliegen, Bienen, spüren fischelnde, weiter drinnen reine Luft, hören einen Traktor und die Ruhe, fühlen im Hinfallen einen scharfen Stein durch das zerscheuerte Hosenbein das Knie schinden, schmecken (nicht ohne Hilfe der Zunge) eine Blattlaus auf unseren Lippen, werden weitergehen und uns über Gassen und Plätze verzweigen, mit Kindern spielen, von Mädchen uns verwirren lassen, mit Frauen Zimmerluft essen, mit Männern raufen, mit Greisen in Schnapsschenken dämmern, Ziegen streicheln, von Ofeninnenseiten Ruß fingern, Halme knicken, Heilkräuter durchs Zimmer streuen Bauernstiefel probieren, in einen Brunnen klettern, einen Winkelherrngott gradhängen, einer Greisin ein Kreislaufmittel empfehlen und so weiter. Wir werden mit all dem eine frohe Zeitspanne oder doch frohe Momente verbringen, unproblematische wie eines ausgedehnt guten Essens bei Freunden. Vielleicht aber läuft ein Gehirnband mit, das die (:unveränderten) Eindrücke mit Anfallähnlichem kombiniert, eine Gassenabzweigung wird wahnsinnige Freude sein, ein zugewuchertes Haus ein unerklärlicher Schmerz, nicht metaphorisch und durch schöne Parallelen, nein: ein Bauchschuß aus der Wirklichkeit, aus dem immanenten Trans, aus dem Hinterhalt Manitous. Das ist natürlich unmitteilbar. Wer es nicht selbst hat, erfährt davon nur wie von einer Drogennacht. Friß, Vogel, oder stirb.
Wenn nun gesagt wird »grüne Büsche«, empfängt der heutige Zuhörer einen semantischen Reiz, der wirksamer ist als der von »schöne Landschaft«. Wenn variiert wird »senfgelb/grüne in Brakkiges tauchende Zitterbüsche«, wird der Reiz noch wirksamer. Bis auf hochkomplizierte Fälle von Wunderwirkung durch Knappstes gilt die Regel der Proportionalität von Wirksamkeit und spezifizierender Konkretion. Wenn die Bezeichnungsvegetation (die übrigens nicht mit den rechtens verpönten Schmuckadjektiven verwechselt werden darf) allzustark auswuchert, kann die Wirkung freilich ersticken.
Worin besteht diese Wirkung aber? Das bloße Vorstellen wäre ein noch zu kleiner Erfolg. Das Vorstellen mit der Begleitemotion, etwas »erstmals«, »frisch, wie ein Kind es sieht«, zu sehen, ist besser. Aber wird je das Umwerfende, das Schuß- oder Blitzhafte, das F-Erlebnis, mit in die Information gehen? 1 erlebtes F-Phänomen ist Beweis für den Sinn des Lebens. Durch Eigenschaftswörter etc in günstiger Auswahl und Setzung Lebenssinn zu transportieren, wäre ein schöner Schreiber-Erfolg. Aber wird der je eintreten? Und wenn nicht, ist alles andere nütz? Ist es nicht, als malte ich, für ein abgedunkeltes Zimmer, aus »leuchtenden« aber unphosphoreszenten Farben ein Bild?
Helfen selbst jene Übertreibungen, Verdrehungen, die der Autor benutzt, um die ausgeleierten Gleise im Leser zu umfahren und das Besondere, vielleicht Märchenhafte der Situation karikierend zu suggerieren?
Wenn nicht, renn, Trottel, Autor, noch durch dreihundert Gäßchen und Gassen, Feldwege und Flußpromenaden und Weinsteige und Wildwechsel und Hurenpassagen, stolper, und krieg Schnupfen und Fuchsbisse und Lues und brich dir die Zunge, aber nicht beim adjektivischen Spezifizieren, sondern in Lesers Arsch.