Städtchen 14

In dieses Städtchen zogen vorigen Sommer die Kinder des Weidendorfes. Aber Jermilka, Jessica und Jentchen sind noch zu klein. So ließ sich Oberrevident Holstein, der mit dem verfließenden Leben, nicht bewegen, länger in dem Städtchen zu bleiben. In Torschlußpanik ließ er sich in die Großstadt versetzen Katzen, Element X, Element X, den blaugrünen Liegestuhl und die Ödstätte gegen kindheitserinnerte Großstadt Kaufhäuser, den Anblick von Gemeindebauten, Morgenbüros, Abendautobussen eintauschend, neugierig diese oder jene Serviererin betrachtend, das Versprechen dieses oder jenes Parfums einklagend, auch Handelsschülerinnen und Schwangere nicht verschmähend, selbst Korrupte Bräute-Weiß in der Nähe duldend. Während er, die Serviererin um sich, Suppe in halbdunklem Speisehaus löffelte, verspritzte, aus dem Oberrevidentenmund zurückträufeln ließ, wuchs das Städtchen um die Lücke, die er hinterlassen hatte, rasch zu: ein weiblicher Teenager wanderte in den Sommerferien ein, allerdings gelangweilte Teenager-Briefe in die frühere Stadt schreibend, aber auch der Oberrevident hätte dem Teenager nicht geholfen; so betrachtete sie die Muskeln starker Pferde nahe der Wagenschmiede und rekonstruierte sich Muskeln weltschönster Männer. Element X lag unbeachtet, das Jahr verschlafend, kleine Dinge, vorsommerliche, lebten nun in einem Vordergrund, und der unglückliche kleine Emil Ettlow war gestorben, bevor er alt genug für den gelangweilten weiblichen Teenager geworden wäre. Mit Jermilka, Jessica und Jentchen saß der Teenager öfters im Eissalon, sie sprachen über Katzen, Buben, Ödstätten, gingen zum Krämer (lernten, daß Fremde sich aus diesem Städtchen unbedingt einen White Horse Whisky mitnehmen müßten, lernten, daß Maßgeschneidert der Schlüssel zum Erfolg wäre, und waren unentschlossen, ob sie den maßgeschneiderten Erfolgreichen, der im Krämerladen für das nachbarliche Schneiderstübchen, mit dem Siegeszeichen V aus zwei großnageligen Fingern, warb, dämlich oder dämonisch finden sollten), atmeten Plankengeruch ein, und der Teenager lehrte Jermilka, Jessica und Jentchen, sich die Langeweile mit chemisch reinen Büchern aus der Stadtbibliothek zu modifizieren. Erzählt mir was vom Weidendorf, bat der Teenager endlich, und: erzähl du uns was von deiner früheren Stadt, baten Jermilka, Jessica und Jentchen zurück. (Der Leser stelle sich nun beiderlei Erzählungen vor.)

Städtchen 13

Das Städtchen durchgehen. Rückseite des Städtchens dann: x.

Städtchen 15

Ja, wir sehen einen Anlegesteg, grüne (!) Büsche, braune (!) Baumstämme und ein weißes Haus, erdigen Boden, Fliegen, Bienen, spüren fischelnde, weiter drinnen reine Luft, hören einen Traktor und die Ruhe, fühlen im Hinfallen einen scharfen Stein durch das zerscheuerte Hosenbein das Knie schinden, schmecken (nicht ohne Hilfe der Zunge) eine Blattlaus auf unseren Lippen, werden weitergehen und uns über Gassen und Plätze verzweigen, mit Kindern spielen, von Mädchen uns verwirren lassen, mit Frauen Zimmerluft essen, mit Männern raufen, mit Greisen in Schnapsschenken dämmern, Ziegen streicheln, von Ofeninnenseiten Ruß fingern, Halme knicken, Heilkräuter durchs Zimmer streuen Bauernstiefel probieren, in einen Brunnen klettern, einen Winkelherrngott gradhängen, einer Greisin ein Kreislaufmittel empfehlen und so weiter. Wir werden mit all dem eine frohe Zeitspanne oder doch frohe Momente verbringen, unproblematische wie eines ausgedehnt guten Essens bei Freunden. Vielleicht aber läuft ein Gehirnband mit, das die (:unveränderten) Eindrücke mit Anfallähnlichem kombiniert, eine Gassenabzweigung wird wahnsinnige Freude sein, ein zugewuchertes Haus ein unerklärlicher Schmerz, nicht metaphorisch und durch schöne Parallelen, nein: ein Bauchschuß aus der Wirklichkeit, aus dem immanenten Trans, aus dem Hinterhalt Manitous. Das ist natürlich unmitteilbar. Wer es nicht selbst hat, erfährt davon nur wie von einer Drogennacht. Friß, Vogel, oder stirb.