Nachmittagsgespräche 10

In die Diskussion um die Einzige, die niemals kommt, mengt sich ein Beiträger, nach dessen Bericht einem Junggesellen sehr wohl die Einzige kam, und zwar ein aus der Illustrierten geschnittenes Dämchen, das, weil es sich erstmals in seinem vollen Liebes-Wert erfaßt fand, unter der Schere des Junggesellen lebendig wurde. Der Junggeselle allerdings, nach einigen erfreuten Sekunden, trug das heftig sich wehrende Bildchen zur Pfarre. Dort wurde es neuerlich lebendig, erklärte aber, nun in ein Kloster gehen zu wollen.

Jetzt haben Sie uns aber schön reingelegt, sagt der PanamaMann. Alle Menschen, die so reden, zitiert der Besitzer eines neulich verteilten Traktätchens, kennen unser Volk in seinen großen Nöten nicht. Es handelt sich bei der Zauberei um Satanismus. Eine weitverbreitete Art der Zauberei ist das Besprechen. Man nennt es auch das Tun, Büßen, Blasen, Pusten, Versöhnen, Sympathie treiben. Sympathie heißt: auf einen Gegenstand einen unerklärlichen Einfluß ausüben. In manchen Fällen hilft es gewiß. Aber die Hilfe kommt nicht von Gott, sondern vom Teufel. Sie ist mit einem tiefen Schaden für die Seele verbunden, denn sie fordert der Teufel als Lohn. Als ich versuchte, mit einem besprochenen Mädchen zu beten, vermochte sie nicht den Namen des Herrn auszusprechen. Immer wieder kam sie nur bis »Je ... Je ...«. Durch dieses geheimnisvolle Mittel sind ganze Ställe unter den Einßuß böser Geister gekommen, Mensch und Vieh wurden oft geplagt. Ja, mancher Landwirt hat seinen Hof verkaufen müssen, weil er keine Ruhe hatte bei Tag und Nacht. Du mußt in so einem Fall dem Teufel kündigen. Sag ihm etwa folgendes: Ich entsage dem Teufel und allen seinen Werken und i nsbesondere auch den Rechtsansprüchen, die er an mich bekommen hat. (Gibt es heute noch Zauberei?, Evangelische Landeskirchliche Volks- und Schriftenmission Lieme, 1968.)

Nachmittagsgespräche 9

In die Diskussion über die Einzige, die niemals kommt, mengte sich ein Taschenlampenvertreter, der aber Interesse an der Verhaltensforschung hatte. Er erzählte, wie ein junger Amerikaner ein pazifisches Delphinmädchen liebgewonnen hatte; er lebte mit ihr im Delphinbassin, lernte tauchen, schnellen und ihre Sprache, sie lernte von ihm bewundernswert rasch die höhere Mathematik und die Formallogik, und sie wurden ein Pärchen mit musterhafter Kommunikation, ließen Menschenpärchen darin weit zurück. Der junge Amerikaner mußte dann aber seine Geliebte dem CNR — dem Central Navy Research — abgeben, von wo aus sie mit einer taktischen Atomladung, jedem Torpedo überlegen, einem schrottreifen Versuchsschiff nachgesandt wurde. Mit ihrer Intelligenz gelang es ihr leicht, ihren geladenen Leib in den Kesselraum Zu verstauen, wo sie mit dem Wrack in die Luft flog. Der junge Amerikaner trauerte. Eine eigene Frage bleibt, wieso Liebe und Intelligenz des Mädchens nicht eine Wehrdienstverweigerung bewirken konnten; aber vielleicht hatte ihr Denken schon zusehr menschliche Züge angenommen; Delphine, schreibt Professor Lilly, lassen sich trotz oder gerade wegen ihrer hohen Intelligenz leicht korrumpieren.

Nachmittagsgespräche 11

Nun sprachen auch noch zwei Männer drüben, die sahen Schulkameraden aus J.s freundlichgrüner Steinzeit ähnlich. J. dachte: Ich bin unendlich lange zu keinem Klassentreffen gegangen. Was fasziniert uns an so Klassentreffen? Ihre statistische Wehleidigkeit. Einfach, daß zwanzig Menschen naturgemäß einige Schicksals-Arten haben, zwei gestorben, einer Zwillinge gezeugt, einer Sportmedaille, einer hohes Viech (Landesregierung). Und: das Altern. Und: Freunde in Reserve zu haben, unausgewertet oder doch nicht so restlos ausgewertet wie die Verwandten und ständigen Kumpane. J. ging langsam hinüber, bis er die Unterschiede zwischen den Sprechenden und seinen Kameraden klar heraushatte.