Am Grundlsee bin ich gwesen mit meine Herrschaften. In einer Villa ham wir dort gewohnt. Am Grundlsee, mein Gott, da is schee! Die Berge! Die scheene Villa! Das war ein Erlebnis! Taja. Ein einmaliges Büt, in der Vollmondnacht, da sind wir am Balkon gsessn. Da zehrt ma dann ein Leben lang. Nna! Warn das net glückliche Stunden?
Mit einem Jahr, sagte die verblühte Hundebesitzerin, hab ich schon gut zusammzählen und schreiben können. Da war grad der Krieg aus. Mit zwei Jahren, ich sag Ihnen, da war ich schrecklich verliebt in einen Harry (damals haben sich alle Harry genannt we.zen dem Harry Piel). Mit drei hat mich meine Mutter gestoßen zum Heiraten, aber ich wollt nicht. Na, mit vier war ich schon eine gutverheiratete Geschäftsfrau, Gemischtwarenhandel, die Frau Gauleiter ist zu uns immer selber einkaufen kommen. Mit fünf hat mich ein Franzos gehabt, man glaubt immer, nur die Russen haben vergewaltigt, einen Schmarrn!, ich hab ein paar Wochen nur geheult. Mit sechs hab ich zum zweitenmal geheiratet, damals hat auch bei uns ganz zart das Wirtschaftswunder angefangen. Mit sieben haben wir uns scheiden lassen, mein Mann ist so unausstehlich geworden, ihn haben nurnoch die Sputnike interessiert. Mein Lebensgefährte der Franzl, den was ich jetzt hab, ist prima. Na, und jetzt bin ich auch schon acht Jahr vorbei, und viel mehr als zehn wirds bei mir nicht werden; alle meine Leute sind mit neun oder zehn. Nicht viel Zeit, so ein Leben; was, Rexl?
Auch ein Elternpaar unterhält sich. Etwa: Man kommt kaum dazu, das Liebsein der Kinder zu genießen, schon entwickeln sie sich; man kommt kaum dazu, das Entwickeln des 3jährigen mitzuerleben, schon ist der 7jährige 11jährig und gleich entfremdet er sich auch schon endgültig. Eine Gesprächspartnerin findet es vorteilhaft, wenn man Mädchen hat. »Man verliert sie ja doch wieder. Aber sie sind doch anders als Söhne ... Freilich, in einem kenn ich nichts: Meine Mädchen müssen ausschauen, wie ich will.«
»Wir alte Krauter...« (Wie der Rücktritt eines Politikers noch glanzvoll, sein Leben im Hintergrund dann aber glanzlos ist, wie die Enttäuschung eines Buben, dem das Mädchen aus dem Lokal geht, noch prickelnd, die folgende Zeit der Langeweile dann aber schal ist, so ist der Ausspruch des letztmals verzichtenden Mannes »So, jetzt werd ich ohne dich ein alter Krauter« durch Gedankenverbindung mit dem, worauf verzichtet werden soll, noch eroshaltig; später, wenn der Verzichtende nurmehr Krauter unter Krautern ist und keine Frage mehr nach der Dämonin seines Verkrauterns geht, wirkt sein Leben kaummehr als eine Repräsentanz jener Weltkraft.)